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Prinz Asserate im Gespräch : Afrikas Hoffnung verlässt den Kontinent

Ein entscheidendes Problem ist für Sie demnach die Politik, die Europa in Afrika betreibt?

Europa muss seine Afrika-Politik der vergangenen vierzig Jahre grundsätzlich überdenken. Konkret: Die sogenannte Realpolitik muss ein Ende finden. Heute geben vor allem Wirtschaftsinteressen den Weg der Politik vor. Das ist bis zu einem gewissen Grad legitim. Aber Wirtschaftsinteressen dürfen nicht die alleinige Maxime der Politik sein, vor allem nicht, wenn dies ein Anbiedern an skrupellose Diktatoren bedeutet, die auf begehrten Ressourcen und Bodenschätzen sitzen. Frei nach dem Motto: „Du kannst der größte Gauner oder brutalste Schlächter auf Gottes Erden sein, aber solange du an der Macht bist, kommen wir europäischen Demokraten und stützen dich, wenn du uns dein Platin, dein Gold, dein Öl und dein Coltan überlässt.“ Auf Dauer muss das fatale Konsequenzen haben.

Was ist dagegen zu tun?

Europa darf bei seiner Afrika-Politik wegen kurzfristiger wirtschaftlicher Vorteile die eigenen Wertmaßstäbe nicht mehr verkaufen und verraten. Europa hat in den Augen vieler Afrikaner bereits ein Glaubwürdigkeitsdefizit. Um in Afrika glaubwürdig zu bleiben, müssen die europäischen Staaten auf allen Kanälen, politischen wie wirtschaftlichen, versuchen, auf die afrikanischen Diktatoren einzuwirken. Zusammen mit den UN-Gremien muss es ihr Ziel sein, dass in Afrika zumindest gewisse Grundstandards im Zusammenleben von Menschen eingehalten werden und dass Rechtsstaatlichkeit die conditio sine qua non für eine Kooperation wird. Afrika hat aktuell eine Bevölkerung von rund einer Milliarde Menschen. 85 Prozent davon sind jünger als 25 Jahre. Eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl wird für die nächsten Jahrzehnte prognostiziert. Europa sollte sich diese jungen Menschen nicht zu Feinden machen. Diese junge Generation wird es Europa nicht verzeihen, wenn es weiter Diktatoren und Menschenschinder auf dem afrikanischen Kontinent unterstützt.

Wie sähe die politische Alternative aus?

Voraussetzung dafür ist eine gemeinsame europäische Afrika-Politik. Die gibt es gegenwärtig nicht. Ich weiß, wie schwierig es ist, die 28 Länder der Europäischen Union auf eine gemeinsame Politik einzuschwören, aber ich halte das für unabdingbar. Wenn Deutschland heute sagte, mit diesem oder jenem Diktator werden wir die Beziehungen abbrechen, rieben sich sofort Franzosen, Italiener oder andere die Hände und witterten verlockende Renditen. Das gilt übrigens auch umgekehrt. Die afrikanischen Potentaten wissen das und spielen die Europäer gegeneinander aus nach der Devise: „Wenn du uns die Entwicklungsgelder streichst, weil wir gewisse Menschenrechte nicht beachten, bekomme ich sie eben von einem anderen europäischen Staat.“ Natürlich ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass die Chinesen in jede Lücke springen werden, die der Westen lässt. Ich bin wahrlich nicht naiv. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass eine europäische Afrika-Politik, die europäische Grundwerte außer Acht lässt, zum Scheitern verurteilt ist.

Was haben afrikanische Potentaten davon, wenn die eigenen Leute, zumal die jungen, ihre Heimat verlassen?

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