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Architekturdebatte : Wie in Berlin Hoffnungen kaputtgemacht werden

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Blick auf das Einkaufszentrum der Arkaden (l) am Potsdamer Platz, das frühere DaimlerChrysler-Areal (dahinter), das Musical-Theater (M) und die Staatsbibliothek (gelb). Bild: dpa

Vor 25 Jahren wurde der Potsdamer Platz neu konzipiert. Ist er nun Desaster, Karikatur oder doch recht gut gelungen?

          5 Min.

          Im September hat Berlin gewählt. Anders als im Oktober 1946 - bei der letzten Wahl vor der Teilung der Stadt - fanden sich in den Programmen der Parteien kaum noch unterschiedliche Aussagen zur Stadtentwicklung und Architektur. Alle Parteien plädierten für eine „lebendige“ Innenstadt auch als Wohnort mit sozialer und funktionaler Mischung, vor allem aber für mehr „bezahlbare“, also subventionierte Wohnungen. Selbst beim Thema Verkehr herrschte mit Ausnahme kontroverser Positionen zum Weiterbau der Stadtautobahn A100 politischer Konsens über den Bau von mehr Radwegen. Debatten gab es vor allem über Integration und Sicherheitsfragen.

          Parteipolitisch gefärbte Bilder einer grundsätzlich anderen Stadt fanden sich selbst da nicht, wo es die Fragmente städtebaulicher Planungen der geteilten Stadt - wie im historischen Zentrum oder im Kulturforum - zuließen. Betrachtet man die Positionen der Fachverbände der Architekten, der Bauindustrie, der Wohnungswirtschaft, aber auch der Kulturkritik, ergibt sich ein ähnliches Bild. Von lokalen Auseinandersetzungen über das Pro und Contra einzelner Hochhäuser abgesehen, herrschte Schweigen. Anders als im Oktober 1991, als der Einzug des Regierenden Bürgermeisters ins Rote Rathaus als das symbolische Zeichen der wiedervereinigten Stadt gefeiert wurde, erwarten die Wähler vom neu gewählten Senat auch keinen neuen Aufbruch, sondern vor allem, dass ordentlich verwaltet wird.Das war vor 25 Jahren am 2. Oktober 1991, an dem Tag, als die Jury über die Zukunft der wiedervereinigten inneren Peripherie des Potsdamer- und Leipziger-Platz-Areals entschied, grundsätzlich anders. Hier, zwischen der politisch begründeten Gebäudeansammlung des West-Berliner Kulturforums, den Mauerresten und der Wilhelmstraße, waren wie nirgendwo sonst die Folgen des Kalten Krieges sichtbar.

          Sündenbock der „Berliner Architekturdebatte“: Potsdamer Platz
          Sündenbock der „Berliner Architekturdebatte“: Potsdamer Platz : Bild: dpa

          Der im Januar 1991 gewählte schwarz-rote Senat der wiedervereinigten Stadt sah sich vor die Aufgabe gestellt, der Innenstadt - einem gespenstisch leeren Ort höchster historischer Komplexität, an dem sich die jüngere politische und architektonische Geschichte überlagerten - eine neue Rolle zu geben. Eine fast unlösbare Aufgabe, denn die Quellen für den Mythos des Doppelplatzes - der Potsdamer Bahnhof, das kommerzielle Zentrum des Leipziger Platzes und das politische Zentrum der Wilhelmstraße - waren versiegt.

          Potsdamer Platz von oben: links das Einkaufszentrum „Arkaden“, rechts das Sony Center und dahinter das Kulturforum.
          Potsdamer Platz von oben: links das Einkaufszentrum „Arkaden“, rechts das Sony Center und dahinter das Kulturforum. : Bild: ddp

          Der immer wieder gemalte, fotografierte und beschriebene großstädtische Betrieb am Potsdamer und am Leipziger Platz wurde schon vor dem Krieg ausgelöscht. Er begann mit den „Arisierungen“ des NS-Regimes, der Achsenplanung von Speer, es folgten die Bombenzerstörungen, der Mauerbau, den Abriss des Bahnhofs und die Planungen und Bauten für ein „stadtlandschaftlich“ geprägtes Kulturforum, das zur Mitte hin abgetrennt wurde durch eine Nord-Süd-Stadtautobahn. Im Juli 1990 kam noch der Verkauf der westlich der Mauer gelegenen Grundstücke durch den rot-grünen Senat an den Automobilkonzern Daimler-Benz hinzu - ein Sündenfall, der alle Hoffnungen auf eine lebendige, kleinteilige Stadt, in der sich soziale Diversität und bürgerliches Engagement abbilden könnten, zugunsten der ökonomischen Großform eingestampft wurden. Es war ein Grundstücksgeschäft, das auch wegen fehlender städtebaulicher Planungen schnell als „Jahrhundertfehler“ (so Manfred Sack in der „Zeit“) eingestuft wurde.

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