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Apples Wasserpistolen-Emoji : Die Zensur der Symbole

  • -Aktualisiert am

Apple will, dass Emojis nicht gewaltverherrlichend wirken. Kritik an der Streichung einiger Bilder gibt es trotzdem, auch nicht ohne Grund. Bild: Archiv

Apple ersetzt das Revolver-Emoji durch eine Wasserpistole und erntet harsche Kritik. Gesellschaftliche Konflikte kann man nicht einfach wegprogrammieren.

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          Wenn man demnächst ein Revolver-Emoji per SMS von einem Samsung-Handy auf ein iPhone schickt, erscheint auf dem Apple-Gerät kein stilechter Colt, sondern eine grüne Wasserpistole. Das ist kein technischer Fehler, sondern das Ergebnis einer Softwareaktualisierung, die im September bevorsteht: Apple hat das Pistolen-Emoji in seiner neuen iOS 10-Version durch eine Wasserpistole ersetzt und wird seine Nutzer so entwaffnen. Die Umstellung sorgt für heftige Diskussionen. Das Technikmagazin „Wired“ wertet das Update als politisches Signal gegen Waffengewalt und Ausdruck einer politischen Agenda unter der Führung des Apple-Chefs von Tim Cook, der von der Homo-Ehe bis zum Klimawandel deutlich stärker Position bezieht als sein Vorgänger Steve Jobs. „Ist das noch ein letzter Rest Hippietum bei Apple, knapp fünf Jahre nach dem Tod von Steve Jobs?“, fragt Patrick Beuth auf „Zeit Online“ in fast schon naiver Verkennung der Tatsachen und nobilitiert Apples Friedensmission mit dem Slogan „Make Wasserschlachten, not war“.

          Waffen-Emojis sind in die Kritik geraten, weil sie als Instrument für Hasskommentare genutzt werden. So wurde in Frankreich ein Mann zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, weil er seiner Exfreundin ein Pistolen-Emoji geschickt hatte. Doch bei Apples Softwareupdate geht es nicht darum, ob Waffen-Emojis, die ohne Zweifel bedeutungsambivalent sein können, ein Vehikel des Hasses sind oder sich der Konzern einer Friedensmission verschrieben hat. Viel entscheidender ist die Frage, wie wir kommunizieren und wer die Deutungshoheit über Zeichen und Symbole besitzt.

          Bestimmter Symbolschatz und Zensur

          Emojis spielen in der Kommunikation eine immer wichtigere Rolle. Sechs Milliarden der Symbole sind im vergangenen Jahr an jedem Tag verschickt worden. Die britischen Oxford Dictionaries haben 2015 erstmals ein Emoji zum „Wort des Jahres“ gewählt, ein Smiley-Gesicht mit Freudentränen. Neue Emojis werden vom Unicode-Konsortium, einer gemeinnützigen Organisation nach kalifornischem Recht mit Sitz in Mountain View vorgeschlagen und gebilligt. Ihr gehören alle großen Technologiekonzerne wie Google, Microsoft, Apple, IBM, Oracle und SAP an. Normalerweise ist das ein rein formaler, unpolitischer Akt. Die Vorschläge werden von dem Gremium meist durchgewinkt. Doch die Aufnahme von zwei Gewehrsymbolen in den neuen Unicode-Standard stieß auf heftigen Widerstand von Microsoft und Apple. Die inkriminierten Symbole waren laut Unicode-Präsident Mark Davis mit Blick auf die Olympischen Spiele gedacht – Sportschießen ist olympische Disziplin. Da wirkte eine Wasserpistole reichlich deplaziert. Doch nach Darstellung des Portals „Buzzfeed“ intervenierten Apple und Microsoft bei dem für die Standardisierung von Emojis zuständigen Konsortium und verhinderten so die Aufnahme des Gewehrsymbols in den Unicode. Waffenkontrolle funktioniert heute also mit ein paar Code-Änderungen.

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