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Apples Wasserpistolen-Emoji : Die Zensur der Symbole

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Der Protest wirkte allerdings insofern etwas doppelzüngig, als Apple auch Emojis wie eine Bombe oder ein Messer in seinem Repertoire und Microsoft seinem Windows-10-Betriebssystem einen Emoji-Mittelfinger in verschiedenen Farbtönen hinzugefügt hat, der als Zeichen der Missbilligung unmissverständlich sein dürfte. Das Problem ist dabei nicht nur, dass die Technologiekonzerne ihre Kunden in der Nutzung der Zeichen bevormunden, sondern zunehmend darüber bestimmen, welche Symbole Eingang in unseren – nicht mehr allein aus Wörtern bestehenden – Wortschatz finden. Das Unicode-Konsortium wirkt wie eine Neuauflage des Orwellschen Wahrheitsministeriums, das die englische Sprache durch eine um schädliche Begriffe gereinigte, neue Sprache ersetzte und die übriggebliebenen Worte „unorthodoxer“ Nebenbedeutungen entkleidete. Die Spracherkennung Siri zensiert vulgäre Wörter oder weigert sich, den Dokumentarfilm „Hillary’s America: The Secret History of the Democratic Party“ zu suchen, wie ein Trump unterstützender Twitter-Nutzer kritisierte. Das iPhone ignorierte laut einem Bericht von „The Daily Beast“ kontroverse Begriffe wie Abtreibung, Prostitution oder Pornographie. In der chinesischen Version von Skype können Nutzer bestimmte Wörter wie „Wahrhaftigkeit“, „Campus-Aufstand“ oder „Amnesty International“ schon gar nicht mehr eingeben.

Wenn es keine Symbole mehr gibt, gibt es auch keinen Streit

Der Harvard-Jurist Jonathan Zittrain schreibt in einem Beitrag für die „New York Times“, die Eliminierung eines elementaren Konzepts aus dem Vokabular spiegele die weitverbreitete Ansicht wider, dass die Verfügbarkeit von Sprache das Verhalten kontrollieren könne. Und sie drücke das befremdliche Verlangen von Unternehmen und unvermeidlich auch Regierungen aus, unser Verhalten zu überwachen. Als freie Bürger würden wir unsere digitale Infrastruktur infantilisieren, so Zittrain. Die Konzerne sollten deswegen nicht in eine Position versetzt werden, in der sie entscheiden, welche Wörter und Emojis ihre Marke repräsentieren oder nicht.

Ebenfalls auf der Streichliste: die Bombe.
Ebenfalls auf der Streichliste: die Bombe. : Bild: Archiv

Sprache ist schon immer ein mächtiges Instrument gewesen, doch dessen bemächtigen sich nun die Tech-Giganten. Dabei scheint Apple einem fundamentalen Kategorienfehler zu begehen: Es verwechselt das Recht, Waffen zu besitzen, das im Second Amendment der amerikanischen Verfassung verbrieft ist, mit dem im First Amendment verankerten Recht auf freie Rede, das auch die Rede über Waffen umfasst. Apple, und das ist der eigentliche Skandal, schleift das Recht auf freie Meinungsäußerung und programmiert einen gesellschaftlichen Konflikt über Waffenkontrolle einfach weg – nach dem Motto: Wenn es keine Symbole mehr gibt, gibt es auch keinen Streit.

Das zeugt von einer verqueren Sicht der Dinge. Wer ein Pistolen-Emoji versendet, redet nicht zwangsläufig der Waffengewalt das Wort, sondern empört sich vielleicht sogar über diese. Doch für derlei Ambivalenzen sind die Techologiekonzerne blind. Es gibt nur Schwarz oder Weiß. Die in Codes formulierte Entwaffnungspolitik kehrt sich in ihr Gegenteil, wenn ein iPhone-Nutzer seine Freunde zu einer Wasserschlacht einlädt und ihnen per SMS ein Wasserpistolen-Emoji schickt: Dann erscheint auf dem Samsung-Gerät keine Wasserpistole, sondern ein Revolver. Und das könnten die Empfänger womöglich missverstehen.

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