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Antisemitismusstreit : Verschleierung als Methode

  • -Aktualisiert am

Umstritten: die Sperrmauer im Nahen Osten Bild: AFP

Der Antisemitismusvorwurf soll verhindern, dass über die Tatsachen der israelischen Besatzungspolitik gesprochen wird: Der französische Politologe und Publizist Alfred Grosser antwortet auf Henryk M. Broder.

          Ja, das Stück von Fassbinder „Der Müll, die Stadt und der Tod“ war antisemitisch, und Ignatz Bubis war nicht allein mit dieser Meinung. Alle Personen haben einen Namen, nur eine nicht, „Der reiche Jude“, der unter anderem sagt: „Ich bin kein Jud (sic) wie Juden Juden sind.“ Die Besetzung der Bühne des Frankfurter Schauspielhauses 1985 war zumindest verständlich. Aber der Aufruf, eine andere Veranstaltung in Frankfurt zu sprengen, war es zwanzig Jahre später nicht. Der Abraham Melzer Verlag wollte 2005 ein Buch von Rupert Neudeck vorstellen: „Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina“. Die Drohung, mit wehenden israelischen Fahnen anzugreifen, hatte Erfolg. Der Regionalverband der Evangelischen Kirche nahm die Erlaubnis zurück, den zur Verfügung gestellten Saal der Heilig-Geist-Kirche für die Vorstellung zu benutzen.

          Hier ging es nicht um Antisemitismusbekämpfung, sondern um brutale Zensur eines unbequemen Inhalts. Die Methode hat sich bewährt. Einerseits versucht man einzuschüchtern, andererseits breitet man den Schleier des Antisemitismus über das Gesagte aus, um nicht die dargestellten Fakten widerlegen zu müssen. Wenn man dem noch persönliche Beschimpfungen hinzufügt und das Gesagte so verdreht, dass es skandalös erscheint, kann man sicher sein, Aufsehen zu erregen und einige im Allgemeinen schon voreingenommene Geister auf seine Seite zu ziehen. In diesem Sinne schreibt und spricht Henryk M. Broder – so jetzt auch wieder (Heiteres Antisemitenraten: Broder antwortet auf Bahners) in seiner Replik auf Patrick Bahners (Rechtsstreit: Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?).

          Es geht um die Mauer

          Broder bekämpft eine Kritik an der Politik des Staates Israel, die in Israel selbst oft und in verschiedenen Tonarten vorgebracht wird. Am ergreifendsten wohl vor zwei Jahren in der Grabrede des Schriftstellers David Grossman auf seinen im Südlibanon gefallenen Sohn. Die auf Fakten gestützte Kritik kommt auch von außen, unter anderem von Jimmy Carter, dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten, und von Louis Michel, Mitglied der Europäischen Kommission. Sie sind herumgereist, haben Fragen gestellt, haben Zustände gesehen, die sie nüchtern schildern, um dann der israelischen Regierung zu sagen, dass all dies menschenverachtend sei und jedenfalls jeder friedlichen Lösung entgegenwirke.

          Alfred Grosser

          Worum geht es? In letzter Zeit viel um die Mauer. Schon vor vier Jahren hat der Internationale Gerichtshof im Haag ihre Errichtung verurteilt. Mehrfach hat das israelische Oberste Gericht befohlen, sie an drei Stellen zu verlegen, weil sie Palästinensern unangemessenen Schaden zufügt. Nichts dergleichen ist dann geschehen. In der Nähe von Ramallah werden 20.000 Palästinenser in fünf Dörfern durch ein neues Stück Mauer eingeschlossen sein, getrennt von ihren Feldern und ihren Arbeitsstätten.

          Herr über das Wasser

          Aber diese Abtrennung, den Zwang, an mehreren Checkpoints Schlange zu stehen, um zum Beispiel einen Arzt zu erreichen und dabei noch harsch, oft verachtungsvoll behandelt zu werden, das gab es schon vor dem Bau der Mauer, überall, wo es um den Schutz der jüdischen Siedlungen ging. Diese Siedlungen werden trotz vertraglichem Verbot weiterhin vermehrt. Um sie zugänglich zu machen, werden Straßen gebaut, die nur von jüdischen Israelis befahren werden dürfen. Die Siedlungen machen Cisjordanien zu einem Leopardenfell, dessen Muster jede territoriale Kontinuität eines palästinensischen Staates von vornherein vereitelt. Ein solcher Staat könnte ohne gesicherte Wasserversorgung nicht leben – aber Israel ist Herr über das Wasser und lässt nur wenig für die Palästinenser.

          Gaza ist evakuiert worden, wird aber abgeriegelt, so dass ein Wiederaufbau unmöglich gemacht wird. Das Geld ist da, aber der Zement kann nicht hinein. Die Zuschüsse der Außenwelt werden von Israel nicht überwiesen. Militärische Eingriffe, mit Panzern und Bombardements, stehen in keinem Verhältnis zur Zahl der auf Israel vertragswidrig abgeschossenen Raketen. Arbeitslosigkeit und Not schaffen immer mehr Hoffnungslosigkeit, was die Rekrutierung neuer Attentäter nur erleichtern kann.

          Schwerwiegende Unterschiede

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