https://www.faz.net/-gqz-9x76k

Diskriminierung : Ein politisch aufgeheiztes Feld

  • -Aktualisiert am

Solidaritätskundgebung an neuen Synagoge in Berlin, im Oktober des vergangenen Jahres, nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle. Bild: dpa

Um ihren Gegenstand unverkürzt zu erfassen, muss Antisemitismusforschung vergleichen und differenzieren. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Antisemitismusforschung ist, entgegen landläufigen Vorstellungen, kein akademisches Fach wie Germanistik oder Philosophie. Wenn man sich wissenschaftlich mit Antisemitismus beschäftigt, so versucht man nicht mehr und nicht weniger als ein Phänomen zu erklären, dass sich zeitlich über mehr als zweitausend Jahre erstreckt und sich räumlich mittlerweile über den gesamten Globus verteilt – wenngleich mit einem klaren Schwerpunkt in Europa, im sogenannten christlichen Abendland, das bekanntlich erst vor ein paar Jahren in „christlich-jüdisch“ umgetauft wurde.

          Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass es sich hierbei um ein Querschnittsthema handelt, das nur interdisziplinär bearbeitet und verstanden werden kann. Sozial- und Geschichtswissenschaften, Literatur und Philosophie, Theologie und Jura, Psychologie und Anthropologie: Kolleginnen und Kollegen aus all diesen Fächern analysieren weltweit antisemitische Phänomene, streiten sich über Bezeichnungen und Definitionen, über die Validität von Quellen und Argumenten, von Zugängen und Hypothesen. So weit, so normal. Was dieses Thema jedoch von anderen unterscheidet, ist sein enormer Politisierungsgrad, seine Instrumentalisierbarkeit, sein identitätsstiftendes Potential. All dies ist keineswegs auf Deutschland beschränkt, entfaltet jedoch hier, im Land der Täter, eine ganz spezifische und emotional oftmals hochaufgeladene Wirkung.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Der Journalist Roland Tichy geht gegen die Gerichtsentscheidung zum Correctiv-Stempel in Berufung.

          Tichys Einblick vs. Correctiv : Streiten mit den Wahrheitsfindern

          Das Haudrauf-Magazin „Tichys Einblick“ hat einen „teils falsch“-Stempel bekommen. Laut Gericht ist das zulässig. Doch die Begründung zeigt, was passiert, wenn aus Furcht vor Fake News und Filterblasen ein Wahrheitsrichter installiert wird.