https://www.faz.net/-gqz-9nxsa

Antisemitismus im Internet : Youtube lässt Hass gegen Reich-Ranicki zu

Wird auch nach seinem Tod bei Youtube verleumdet: Marcel Reich-Ranicki, der den Holocaust überlebte. Bild: Frank Röth

Mit seiner Frau Teofila entkam Marcel Reich-Ranicki knapp dem Holocaust. Bei Youtube wird der frühere F.A.Z.-Literaturchef auch nach seinem Tod verleumdet und mit antisemitischem Hass überzogen. Was sagt der „Legal Support“ der Plattform?

          6 Min.

          Der Plattformbetreiber Youtube will vermehrt gegen diskriminierende Videos vorgehen. Mehr noch: Youtube wolle derartige Videos verbieten, hieß es erst wieder vor ein paar Tagen. Solche, welche die NS-Ideologie verherrlichen, den Holocaust leugnen oder ein „gewalttätiges Ereignis“ wie das Massaker an der Sandy Hook Elementary School in Connecticut, bei dem 2012 achtundzwanzig Menschen starben. Auch Videos über angebliche Wunderheilungen will Youtube ins Visier nehmen. Die Richtlinien gegen Hassrede und diskriminierende Inhalte würden stetig aktualisiert, teilte der Tochterkonzern von Google vor ein paar Tagen mit. Doch ist das wirklich so? Geht Youtube Hassrede und Verleumdung nach? Und wenn ja, nur bei den Videos oder auch bei den Kommentaren zu den Videos? Wir machen die Probe aufs Exempel.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das Exempel sind Kommentare zu Videos, die bei Youtube zum Beispiel zu der Literaturserie „Lauter schwierige Patienten“ abrufbar sind. In dieser trafen sich der einstige, im Herbst 2013 verstorbene Literaturchef dieser Zeitung, Marcel Reich-Ranicki, und der damalige Intendant des Südwestrundfunks, Peter Voß. Sie sprachen über bedeutende Schriftsteller und deren Werk. Im Mai 2001 starteten die Sendungen, es begann mit Bertolt Brecht, es folgten Dialoge über Heinrich Böll, Erich Kästner, Max Frisch, Ingeborg Bachmann, Elias Canetti und andere. Bei Youtube kann man die Literaturserie anschauen, eingestellt hat sie jemand, dem sie offenbar sehr gut gefiel.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Marina Granovskaia : Der FC Chelsea im Griff der eisernen Lady

          Der FC Chelsea wird von einer Frau geführt. Marina Granovskaia trifft alle wichtigen Personalentscheidungen und gilt als knallharte Verhandlerin. Das könnte auch für Thomas Tuchel zum Problem werden.