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Antisemitismus in Deutschland : Was wollen Juden in der AfD?

  • -Aktualisiert am

Ein Blick auf die Synagoge in Mainz Bild: Frank Röth

Dass Juden die AfD unterstützen, wundert manche. Schließlich existieren in der Partei ausgeprägte faschistische Tendenzen. Dafür, dass sich Juden dort organisieren, gibt es jedoch Gründe. Ein Gastbeitrag.

          2 Min.

          Als kürzlich berichtet wurde, dass sich innerhalb der AfD eine Gruppe von Juden konstituieren werde, erschien mir das im ersten Moment nicht sonderlich bemerkenswert. Es gibt gescheite Juden und dumme Juden, es gibt lustige Juden und traurige Juden, es gibt Juden, die Fans von Bayern München sind, und Juden, die 1860-Schals tragen, es gibt Juden, die die Boykottbewegung BDS unterstützen, und Juden, die die AfD wählen. Das Verhalten eines Menschen danach zu beurteilen, welcher Religion er angehört, ist rassistisch. Niemand interessiert sich dafür, ob es unter AfD-Anhängern Griechisch-Orthodoxe gibt.

          Aber ich verstehe das journalistische Interesse. Es ist eine dieser „Mann-beißt-Hund“-Meldungen: Juden, die sich mit einer Nazipartei einlassen? Zunächst einmal würde ich dafür plädieren, in dieser Debatte auf das Wort „Nazi“ zu verzichten. Mit diesem Begriff wird eine direkte Beziehung zu den Opfern der Nazis hergestellt. Die Nazis haben Juden verfolgt, nur weil sie Juden waren. Ich glaube nicht, dass dies für die AfD gilt. Jüngsten Meinungsumfragen zufolge könnte die AfD mit rund zehn Millionen Wählern die zweitstärkste Partei in Deutschland werden. Aber die Schlagzeile „Juden wählen Nazi-Partei“ ist vermutlich reizvoller als die Anstrengung, herauszufinden, warum so viele Leute die AfD wählen.

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