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Antisemitismus-Kommentar : Sehen wollen, was zu sehen ist

Wird zunächst einmal für grundlegend fundierte Aufklärung sorgen müssen: Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung. Bild: Rene Bertrand/Bundesinnenministerium BMI/dpa

Antisemitismus an Schulen, vorrangig ausgehend von muslimischen Jugendlichen, wächst. Taten werden immer noch als Einzelfälle behandelt. Felix Klein, neuer Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, muss dem entgegentreten.

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          Felix Klein wird zwar nur „Beauftragter“ der Bundesregierung, aber als solcher ist er mit einer Aufgabe betraut, die Ministerrang hat: an höchster Stelle den Antisemitismus zu benennen und zu bekämpfen, der in diesem Land in der jüngeren Zeit ein Ausmaß angenommen hat, das Juden in die Flucht treibt, wie man es in Frankreich schon seit langem feststellen muss. Dabei wird der Diplomat Klein zunächst einmal für grundlegend fundierte Aufklärung sorgen und dem entgegentreten müssen, was der französische Philosoph Alain Finkielkraut für das (Un-)Wesen „politischer Korrektheit“ hält: „Nicht sehen wollen, was zu sehen ist.“

          Denn wann immer etwas passiert – ein jüdischer Gastronom bedrängt, ein Schüler bedroht, eine Flagge mit dem Davidstern verbrannt wird –, ist (wie bei anderen Fällen auch) im ersten Atemzug gern von „Einzelfällen“ die Rede, die man nicht verallgemeinern dürfe, und im zweiten von der – unbestreitbaren – Gefahr von rechts. Womit alles andere unter den Tisch gekehrt wird, unter anderem und vor allem, worauf abermals auch der Deutschland-Chef der Organisation Human Rights Watch, Wenzel Michalski, im „Tagesspiegel“ hinweist: der Antisemitismus an Schulen, der vorrangig von muslimischen Jugendlichen ausgeht.

          Darüber redet man nicht gerne, darüber redet die politische Linke gar nicht, und dazu schweigen sich Schulleiter und Bildungsbürokraten aus oder malen sich die Welt schön, wie man es im Fernsehen vor einiger Zeit bei einer Reportage sehen konnte, die von dem Sohn Wenzel Michalskis handelte – der Junge zählte zu denjenigen, die täglicher Schikane ausgesetzt sind, und hat die Schule gewechselt.

          Die Öffentlichkeit sei für das Thema zwar inzwischen sensibilisierter, sagt Michalski, doch habe es die Gesellschaft nie „nachhaltig“ wahrgenommen. Mit „nachhaltiger“ Wahrnehmung aber fängt es – siehe Finkielkraut – an, auch mit der von Michalski geforderten Wahrnehmung, dass Mädchen, dunkelhäutige Schüler, Schwule und Lesben ebenfalls auf der Opferliste der intoleranten Mobber stehen. Geben diese den Ton an und zeigen sich die Schulen nicht in der Lage, ihnen entgegenzutreten, wächst eine Generation heran, die den Gesellschaftsvertrag der Bundesrepublik aufkündigt.

          Dagegen sollte sich eine Bildungsoffensive richten, wie sie von Politikern in Bund und Ländern immer wieder in allerhand anderen Zusammenhängen ausgerufen wird. An die Spitze der Bemühungen um gesellschaftlichen Zusammenhalt könnte sich dann vielleicht auch einmal die Bundeskanzlerin mit einer ausnahmsweise etwas emphatischeren Einlassung zum Thema setzen. Wie das geht, hat der französische Präsident Emmanuel Macron mit seiner Würdigung des Polizisten Arnaud Beltrame gerade vorgemacht.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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