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Judenhass in Paris : Wie antisemitisch sind die „Gilets Jaunes“?

Eine Jüdin als Symbolfigur der Republik: Ohne Vorbehalte kann man den Vorschlag der Regierung unterstützen, Simone Veil zur neuen Marianne zu machen. Bild: AFP

Aus den Reihen der Gelbwesten erschallen neuerdings „Juden raus“-Schreie. Macron ist an den Entwicklungen am Rande der Staatskrise nicht ganz unschuldig.

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          Das Porträt Simone Veils ist mit einem Hakenkreuz verschmiert. Auf einer Mauer wird die Auschwitz-Überlebende und erste Präsidenten des Europa-Parlaments, deren sterbliche Überreste jüngst ins Pariser Pantheon überführt wurden, als „Macron‘s jews‘ bitch“ bezeichnet. Am Eingang eines Pariser Restaurants steht: „Juden“. Den Judenstern mit der Inschrift „Macron“ gibt es am Bahnhof Mülhausen. „Hure der Juden“ wurde in Schiltigheim auf das Büro von Macrons Partei gesprayt. „Juden raus“-Schreie erschallen aus den Reihen der „Gilets Jaunes“. Bei der Synagoge riefen Demonstranten: „Gebt das Geld zurück, dreckige Juden“. Die Reporterin der „Dernières Nouvelles d’Alsace“ berichtet auch von Protest der Gelbwesten gegen die Antisemiten: „Idioten, die unsere Bewegung missbrauchen, um ihren Hass zu verbreiten.“

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Wie antisemitisch sind die „Gilets Jaunes“? Zunächst ging es um Kaufkraft und Mitsprache, eine Einordnung in politische Lager fiel schwer, nur der Hass auf Macron und die Lust am Königsmord waren von Anfang an zu spüren. Wenn es jetzt heißt: „Macron, der ehemalige Rothschild-Banker, ist die Marionette der Juden und Freimaurer“, dann muss man sich klarmachen, dass in Zeiten, da die Legitimität des Staats in Frage gestellt wird, der Antisemitismus besonders üppig blüht, wie der Soziologe Pierre Birnbaum sagt.

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