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Anti-emanzipatorische Argumente : Steinzeit für immer

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Eines der prominentesten Beispiele sind die Agta, ein Volk, das auf den Philippinen lebt. Die Frauen tragen Macheten, sie jagen mit Pfeil und Bogen, auch dann noch, wenn sie schwanger sind. Die Beute sind Wildschweine und Hirsche, die Mädchen fangen kurz nach der Pubertät mit dem Jagen an. Kinder werden auch mitgenommen, huckepack auf dem Rücken. Umgekehrt gibt es natürlich auch in vielen Kulturen sammelnde Männer. Sammler, Frauen wie Männer, brauchen Gefäße, Taschen, Mörser, Messer, sie müssen wie Jäger ausschwärmen und beobachten, es spricht also auch nichts dafür, dass Sammeln kein Motor für Erfindungen sein kann. Im Londoner British Museum hat die Archäologin Jill Cook eine Schau über „Ice Age Art“ kuratiert, in der sie die These vorstellt, Frauen könnten die eiszeitlichen Frauenfiguren geschnitzt haben - für Frauen. Das Frankfurter Eiszeitmädchen trägt sie um den Hals.

Wackelige Wände auf schwachem Fundament

Zurück zum Jagen: 2007 erregte eine Studie Aufsehen, die von Schimpansen handelte und nachwies, dass diese mit Werkzeugen jagen. Aus Stöcken schnitzten sie Speere und rammten diese in Baumlöcher, um kleinere Affen, die sogenannten Buschbabys, aufzuspießen. 22 Schimpansen wurden dabei beobachtet, 13 davon waren Weibchen, eines ein Männchen, der Rest waren Jungtiere. Waren in diesem Fall die Weibchen die Erfinder und Vermittler der Jagdtechnik? Wer weiß: Möglich ist es. Wichtig ist all das aus einem einfachen Grund: Weil die Steinzeit häufig als verbindliches Modell für menschliches Verhalten angeführt wird, als biologisches Erbe, als genetische Information, etwas, das sich angeblich nicht ändern ließe.

Es ist zum Breitensport geworden, die Welt mit der Steinzeit zu erklären, wer sich davon überzeugen will, muss nur den Bestseller „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ aufschlagen. Männer können besser Karten lesen? Weil sie die Jäger waren. Sportwagen, Seitensprünge, Chef sein, Bestseller schreiben, zu McDonald’s oder ins Bordell gehen - es gibt nichts, zu dem sich nicht eine Urszene aus der Steinzeit erfinden ließe. Ob das stimmt, was über die Gegenwart behauptet wird, ist dabei bereits nicht sicher; vollkommen unsicher ist aber das, was über die Steinzeit gesagt wird. Trotzdem wird so getan, als ob eine Alltagsbeobachtung durch Wissenschaft, durch Daten und Fakten, erhärtet wird. Nur: Das Gegenteil ist der Fall. Auf das denkbar schwächste Fundament werden wacklige Wände gezimmert - wenn es ein Haus wäre, fiele es um.

Mehr Vielfalt!

Man kann es auch mit Friedrich Nietzsche sagen: „Wenn jemand ein Ding hinter einem Busch versteckt, es eben dort wieder sucht und auch findet, so ist an diesem Suchen und Finden nicht viel zu rühmen.“ Nietzsche, der damit die Philosophen meinte, hatte andere Gründe, um nicht viel von ihnen zu halten. Es ist aber auch eine ziemlich gute Beschreibung des Selbstbedienungsladens, zu dem ein Fach verkommen kann. Je homogener eine Gruppe, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie Lobbywirtschaft betreibt. Das gilt für die Politik, für Unternehmen und auch für die Wissenschaft. Natürlich gibt es inzwischen auch Männer, die annehmen, dass Frauen, Mädchen oder Mütter eine entscheidende Rolle in der Menschheitsgeschichte gespielt haben, als Erfinderinnen, als Künstlerinnen, als Jägerinnen. „Mehr Vielfalt“, wünscht sich Sandra J. Carlson, die Präsidentin der Paleontological Society in ihrem Fach. Mehr Vielfalt gäbe es dann auch bei Fragen und Antworten, das gilt für die Evolutionsgeschichte der Tiere ebenso wie die der Menschen.

Daran, dass wir nie genau wissen können, wie Frauen in der Steinzeit lebten, wird sich nichts ändern. Was sich ändern wird, ist das, was wir Frauen in der Steinzeit zutrauen.

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