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Anti-Amerikanismus in Iran : Wir haben den Feind in die Krise gebetet

  • -Aktualisiert am

Wandmalerei an der ehemaligen amerikanischen Botschaft in Teheran Bild: AP

Die iranische Amerika-Feindlichkeit bekam jüngst reichlich Futter und treibt seltsame Blüten. Vielleicht fällt ja den Geistlichen des Landes ein, wie das globale Wirtschaftssystem zu verbessern sei. Präsident Ahmadineschad jedenfalls wünscht es so.

          Ja, es geht weiter, jetzt sind die Grundschüler damit an der Reihe, barfuß auf dem Schulhof zu stehen und mit ihren Schuhen die Karikatur des noch amtierenden amerikanischen Präsidenten zu bewerfen, die mit einem Stück Kohle auf die Schulmauer gezeichnet worden ist. Dies war eine Szene, die das staatliche iranische Fernsehen zeigte.

          Die Tat des irakischen Journalisten, der Präsident Bush mit seinen Schuhen bewarf und dazu, wie der iranische Nachrichtensprecher erklärte, sagte: „Du Hund!“ (siehe auch: Nach Attacke auf Bush: Aufstand der Schuhe), erfüllte einige iranische Würdenträger mit freudiger Zufriedenheit. Der Teheraner Freitagsprediger bezeichnete sie als „Schuh-Intifada“ und verlangte von der Bevölkerung, fortan mit einem Schuh zu antiamerikanischen Demonstrationen zu erscheinen. Er schlug sogar vor, die Schuhe dieses Journalisten im politischen Museum des Irak auszustellen. Anderntags berichtete eine der staatlichen Nachrichtenagenturen, der Betreffende sei Schiit und ein Anhänger Irans.

          Die gebetsbegünstigte und gottgewollte Finanzkrise

          Dieser Vorfall war allerdings nicht der einzige, der in jüngster Zeit den iranischen Verantwortlichen Anlass zur Genugtuung gegeben hatte. Nach zunehmender Verschärfung der amerikanischen Finanzkrise hatte derselbe Freitagsprediger verkündet: „Wir freuen uns, dass die amerikanische Wirtschaft einen Niedergang erlebt, der sich auch auf Europa ausbreiten wird. Gott bestraft sie für ihre bösen Taten.“ In denselben Tagen erklärte Staatspräsident Ahmadineschad unter Verweis auf die Auflösungserscheinungen des westlichen Imperiums: „Amerika erlebt wegen unserer Gebete eine Krise, und die Hegemonie des Unrechts ist im Begriff, zugrunde zu gehen.“

          Wenige Tage später bezichtigte er die Vereinigten Staaten, gefälschte Dollarnoten in Umlauf gebracht zu haben, um der Finanzkrise zu entgehen. Anschließend kündigte er in einer Versammlung der Freitagsprediger den Tod des Liberalismus an und forderte sein Publikum auf, Programme zur Lösung der globalen Probleme zu entwickeln. Ahmadineschad begnügte sich jedoch nicht mit dieser Belehrung, sondern ließ dann zwei Briefe veröffentlichen, die sich jeweils an die Universitätsprofessoren und an die geistlichen Führer richteten. Im ersten Brief bat er zweihundert Professoren um Unterstützung für den Entwurf eines funktionierenden Wirtschaftssystems, und in dem Schreiben an die Geistlichkeit bezeichnete er die vorherrschende Wirtschaftsform explizit als von den Vereinigten Staaten aufgezwungen. Auch die Geistlichen wurden um Verbesserungsvorschläge für das globale Wirtschaftssystem ersucht.

          Obama ist ein Muslim! Ein hundertprozentiger Schiit!

          Zur selben Zeit veröffentlichte die iranische Presse ein Erinnerungsfoto Ahmadineschads mit einer blonden Amerikanerin am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York sowie die Äußerungen des Pressesprechers des iranischen Außenministeriums bezüglich der Erwartungen Irans, in Kürze ein offizielles Ersuchen aus Washington um Einrichtung eines Büros zur Wahrung amerikanischer Interessen in Teheran zu erhalten. Zugleich berichteten die Zeitungen, dass drei iranische Parlamentsabgeordnete sich mit einem Mitglied des amerikanischen Kongresses beraten hätten. Einer der drei Parlamentarier erklärte nach seiner Rückkehr auf diesbezügliche Fragen: „Da der amerikanische Kongress eine touristische Sehenswürdigkeit ist, haben wir beschlossen, ihm einen Besuch abzustatten. Dabei begegneten wir einem der Abgeordneten und kamen mit ihm ins Gespräch.“

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