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Anna Haags geheime Tagebücher : Nein, ich möchte nicht mehr „deutsch“ sein!

  • Aktualisiert am

Edward Timms Studie „Die geheimen Tagebücher der Anna Haag – Eine Feministin im Nationalsozialismus“ erscheint jetzt in deutscher Übersetzung. Bild: Scoventa Verlag

Die Journalistin und Romanautorin Anna Haag erhielt unter dem NS-Regime Publikationsverbot, führte jedoch Tagebuch. Aus ihren hellsichtigen Notizen zum Leben im „Dritten Reich“ hat der Germanist Edward Timms ein Porträt verfasst.

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          Anna Schaich wurde 1888 in Althütte bei Backnang geboren. Nach ihrer Heirat mit dem Mathematiklehrer Albert Haag führte sie ihr Lebensweg nach Schlesien, Pommern und Rumänien. Sie arbeitete als Journalistin, Leiterin eines Flüchtlingsheimes und Romanautorin. Unter dem NS-Regime erhielt die Sozialdemokratin Publikationsverbot. Nach 1945 gab sie die Zeitschrift „Die Weltbürgerin“ heraus. Sie war eine von zwei Frauen im ersten baden-württembergischen Landtag. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung geht vor allem auf sie zurück. 1940 begann Anna Haag, ein geheimes Tagebuch zu führen. Zwanzig Bände voll hellsichtiger Notizen zum Leben im „Dritten Reich“ wird es am Ende umfassen. Es ist den berühmten Tagebüchern des Romanisten Viktor Klemperer zur Seite zu stellen, blieb aber, im Stuttgarter Staatsarchiv liegend, nahezu unbekannt. Deutsche Verleger interessierten sich nach 1945 nicht dafür. Der englische Germanist Edward Timms (1937 bis 2018) hat die Chronik für ein Porträt Anna Haags herangezogen, das 2016 auf Englisch erschien. Heute erscheint seine Studie „Die geheimen Tagebücher der Anna Haag – Eine Feministin im Nationalsozialismus“ in deutscher Übersetzung.

          23. März 1941

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