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V&A Museum und National Trust : Angriff auf Englands Traditionen

  • -Aktualisiert am

Von Amputation bedroht: das Victoria and Albert Museum, die Mutter aller Kunstgewerbemuseen Bild: Micha Theiner

Auf den Speicher mit dem alten Kram? Unter dem Corona-Druck sollen das Victoria and Albert Museum und der National Trust umgestaltet werden. Und zwar massiv.

          6 Min.

          Das wahre Ausmaß der Corona-Folgeschäden im kulturellen Sektor wird sich erst ermessen lassen, wenn die einzelnen Organisationen, sofern sie die Pandemie überleben, ihren Betrieb wiederaufnehmen. Schon jetzt zeichnen sich jedoch in der britischen Museumswelt beunruhigende Tendenzen ab. Diese greifen weitaus tiefer als die Amputationen, die allerorts vorgenommen werden müssen. Bislang sind ausgerechnet jene zwei Institutionen am stärksten von umstrittenen Neuerungsbestrebungen betroffen, die, jede auf ihre Weise, in aller Welt Vorbildcharakter besitzen: das Victoria and Albert Museum (V&A), das als die Mutter aller Museen angewandter Kunst gilt, und der zur Erhaltung historischer Häuser und Landschaften gegründete National Trust, um den Großbritannien international beneidet wird.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Zu den unglücklichen Fügungen der Corona-Pandemie gehört, dass sie diese Institutionen in einem Zustand der tiefen Verunsicherung über den vermeintlichen Konflikt zwischen ihrem historischen Auftrag als Bewahrer, Erforscher und Vermittler ihrer Sammlungen und den gefühlten zeitgenössischen Bedürfnissen trifft. Diese Zerrissenheit ist freilich durch finanzielle Einbußen und die Verschärfung der Kolonialismus- und Restitutionsdebatte akuter geworden. Den strukturellen Veränderungen, die beide Institutionen zur Bewältigung der Krise präsentiert haben, liegen denn auch grundsätzliche Fragen darüber zugrunde, wofür diese Einrichtungen heute stehen und welche Richtung sie einschlagen wollen in einer Welt, von der sie meinen, dass sie vor allem nach Unterhaltung und Modernität trachte. Es ist bezeichnend, dass das V&A und der National Trust sich in ihren der Öffentlichkeit zugespielten Grundsatzpapieren zur Umstrukturierung die umständliche Terminologie aus den Computer- und Unternehmensberatungsbranchen zueigen machen, um die mit dem Begriff „reset“ gekennzeichneten Strategien zu erläutern. Ein Papier des National Trust formuliert die „Zehnjahresvision für Orte und Erlebnisse“ in einem grässlichen, kaum verständlichen Neusprech.

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