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Schreiben „Amoris laetitia“ : Zweifelnde Kardinäle bald ohne Kardinalstitel?

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Die Pforte zu und viele Fragen offen: Papst Franziskus schließt am 20. November die Heilige Pforte des Petersdoms in Rom. Bild: AP

Vier Kardinäle haben Fragen zum päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“. Gegen sie wird eine eindrucksvolle Drohkulisse errichtet, während sich Franziskus in Schweigen hüllt. Ein Gastbeitrag.

          Der Ton wird rauher. Sind die Kardinäle, die an den Papst eine offizielle Klärungsbitte in Sachen kirchlicher Ehemoral gerichtet haben, „Abtrünnige“? Haben diese Kardinäle mit ihrer Anfrage etwas getan, das sich für „keinen katholischen Christen“ gehöre? Müssen sie daran erinnert werden, dass der Papst frei ist, „Kardinäle zu ernennen und abzuberufen“?

          Die eindrucksvolle Drohkulisse, die der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller hier aufbaut, steht beispielhaft für die sich immer weiter zuspitzende Debatte um das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“, das sich in entscheidenden Passagen so oder genau gegenteilig verstehen lässt. Auch Schüller räumt im Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ denn auch ein, dass der Papst mittelfristig besser beraten wäre, „wenn er klarere Regeln für all die vielen Katholiken aufstellen würde, die - wie es kirchenamtlich so schön heißt - in irregulären Situationen leben“. Nichts anderes erbitten die vier Kardinäle, die von Schüller als illoyal abgestraft werden.

          Die klare Sprache ist seine Sache nicht

          Bei der „dubia“ (Zweifel) genannten, formalisierten Klärungsbitte, die die Kardinäle Brandmüller, Meißner, Burke und Caffarra an den Papst richteten, handelt es sich um Auslegungszweifel, „Amoris laetitia“ betreffend. Hat Franziskus darin die auf Heilige Schrift (Mk 10,2-12) und Tradition gegründete Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe sowie die Praxis, wiederverheiratet Geschiedene nicht zu den Sakramenten zuzulassen, relativiert oder nicht? Eben weil dies aus dem Schreiben selbst nicht klar hervorgeht und weltweit für sich widersprechende Deutungen sorgt, bitten die vier Kardinäle den Papst um Klärung.

          In sachlichem Ton bringen sie ihre insgesamt fünf „dubia“ vor, wobei die folgenden drei zentral sind: Haben die Bestimmungen der Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ (1981), „Veritatis splendor“ (1993) und „Sacramentum caritatis“ (2007) zum Sakramentenempfang für wiederverheiratet Geschiedene, die wie Eheleute (more uxorio) zusammenleben, weiterhin ihre Gültigkeit - oder können die betroffenen Personen jetzt das Bußsakrament und das Sakrament der Eucharistie empfangen? Betrachtet „Amoris laetitia“ den Ehebruch noch wie die genannten Lehrschreiben als „in sich schlechte“ Handlung? Oder hängt die Frage, ob eine Handlung Ehebruch ist, nun von den Umständen ab? Die „dubia“ der Kardinäle sind so formuliert, dass sie mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten wären. Franziskus hat entschieden, dies nicht zu tun. Die klare lehrmäßige Sprache war seine Sache bislang auch nicht.

          Das würde der barmherzige Papst nie tun

          Die Kardinäle machten ihre „dubia“ öffentlich, nachdem sie auch nach Wochen keine Antwort des Papstes erhalten hatten. Keine Frage, sie durchkreuzen damit die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten, die Franziskus offensichtlich im Sinn hat, aber aus seinem Text nicht zwingend hervorgeht. Er lässt sich eben auch gegenteilig verstehen. In der Zulassungsfrage hatte es auf der außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie keine qualifizierte Mehrheit gegeben, so dass die nachfolgende ordentliche Bischofssynode beschloss, die Sache weiter zu prüfen.

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