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Der Präsident und die Medien : Vor Donald Trumps Zorn ist kein Journalist sicher

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Wenn er drohen kann, ist er in seinem Element: Der amerikanische Präsident Donald Trump. Bild: Reuters

Amerikas liberale Presse ist angesichts eines Präsidenten, der demokratische Regeln verachtet, in der Opposition, die Frage ist nur: in welcher?

          Scheitert die amerikanische Presse an Donald Trump? Die Frage stellt sich nach wie vor, auch nachdem die Vereinigten Staaten mit den Trauerfeierlichkeiten zum Tod des früheren Präsidenten George H. W. Bush zumindest einen Moment des Innehaltens erfahren haben. Der Tonfall zwischen der aktuellen Regierung und den Medien bleibt unversöhnlich. Trump hat es vermocht, die kritisch berichterstattenden Medien in den Köpfen seiner Anhänger als eigentliche Opposition im Land zu verankern. Seine Versuche, die Presse einzuschüchtern, enden nicht. Der Eklat um den CNN-Reporter Jim Acosta war nur eine Episode.

          Diesen muss die Regierung Trump auf richterlichen Beschluss hin zwar wieder ins Weiße Haus lassen, aber sie hat die Gelegenheit genutzt, neue Benimmregeln für Journalisten zu formulieren. Bei Pressekonferenzen dürfen sie nur eine Frage stellen und müssen das Mikrofon abgeben, wenn sie dazu aufgefordert werden. Ansonsten riskieren sie den Rauswurf. „Das Weiße Haus gehört der Öffentlichkeit, nicht dem Präsidenten“, sagte Ben Wizner von der American Civil Liberties Union dazu. „Die Presse ist gehalten, harte Fragen zu stellen, nicht artige Gesellschaft zu leisten.“

          Dass sich Trump unter einer freien Presse offenbar Journalisten vorstellt, die ihn unkritisch unterstützen, ist ein Problem für die amerikanische Demokratie. Dass sich führende amerikanische Medien als Moralapostel gerieren, ist ein weiteres. Denn so wird die von Trump und Fox News sorgsam orchestrierte Erzählung von der feindseligen, elitären Presse bloß angestachelt. Die Sachdebatte über die Würde des Präsidentenamts, mutmaßliche Korruption und die Behinderung der Justiz durch das Weiße Haus wird zunehmend unmöglich.

          Der amtierende Präsident Amerikas Donald Trump, First Lady Melania, der frühere Präsident Barack Obama und dessen Frau Michelle sowie der frühere Präsident Bill Clinton saßen während des Trauergottesdienstes in einer Reihe (l-r).

          Trump forderte zuletzt, man müsse dem von ihm als „Fake News“ denunzierten Sender CNN „unser eigenes weltweites Netzwerk“ entgegenstellen. CNN habe eine „mächtige Stimme, die die Vereinigten Staaten in einer unfairen und falschen Weise darstellt. Dagegen muss etwas unternommen werden“, tweetete Trump. Die Äußerung sorgte auch deswegen für Verwirrung, weil Trump mit Fox News schon über eine Art Haussender verfügt. Dessen prominenteste Köpfe Sean Hannity und Carlson Tucker dienen ihm als Stichwortgeber und verteidigen ihn gegen jede Kritik.

          Dem gegenüber stehen weiterhin die Sender MSNBC und CNN, deren Star-Journalisten Rachel Maddow und Anderson Cooper es als ihre Aufgabe begreifen, dem Präsidenten und seinem Kabinett moralische Verkommenheit nachzuweisen. Noch bei der Berichterstattung über den Staatsakt für George H. W. Bush wurde die Besessenheit, Trump nachzusetzen, offenbar. NBC unterstrich, dass Trump zwar die Obamas, nicht aber die weiter entfernt sitzenden Clintons begrüßte. CNN analysierte akribisch die Sitzordnung bei der Trauerfeier und notierte das kurze Händeschütteln zwischen Trump und Obama, den stur geradeaus gerichteten Blick von Hillary Clinton. Dies zeugte indes von Zurückhaltung gegenüber dem Vortag, als sich Anderson Cooper wunderte, dass sich Trump an Bushs Sarg im Kapitol ausnahmsweise wie ein Präsident verhalten habe. „Was ihm wohl durch den Kopf geht?“, fragte eine Diskussionsteilnehmerin. „Er fragt sich vermutlich, wie lange er da noch stehen muss“, gab ein anderer Gast zurück, zum Ärger eines dritten, der das Geplauder in diesem Moment einfach unpassend fand. Fox News griff das Ganze prompt in einem Beitrag über die „verabscheuungswürdige Berichterstattung“ der anderen auf.

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