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Roboter als Arbeitskräfte : Wenn „Cobots“ ihre Kollegen ausspähen

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Immer öfter werden Roboter und Maschinen dazu eingesetzt, bestimmte Waren aus einer Menge zu identifizieren, herauszugreifen und in die richtigen Versandkästen einzusortieren. Bild: AP

Ihre Daten können Arbeitsabläufe verbessern, zur Leistungskontrolle dienen oder das Verhalten von Mitarbeitern steuern. Doch die Möglichkeiten von „Cobots“ gehen noch weiter.

          Wenn Roboter gegeneinander antreten, müssen Regeln her. So ist das auch beim Logistikriesen Amazon, der diesen Sommer wieder zu einem Wettbewerb der Maschinen einlud. Gemäß dem Geschäftsfeld des Konzerns sollten die sechzehn Teams typische Aufgaben in Warenlagern meistern: Die konkurrierenden Roboter versuchten, bestimmte Waren aus einer Menge zu identifizieren, herauszugreifen und in die richtigen Versandkästen einzusortieren.

          Die vorab definierten Regeln des Wettbewerbs „Amazon Robotics“ besagten, dass Menschen nicht dazwischenfunken sollten, egal ob per Hand oder über Funk. Eine Ausnahme durfte nur gemacht werden, wenn einer der Roboter außer Rand und Band gerät und gestoppt werden muss. Das Gewinnerteam wurde mit 80.000 Dollar Preisgeld gelockt. Nun sind solche Preisgelder nicht die Welt für einen Konzern, der Milliarden umsetzt. Aber die Wettbewerbe geben einen Einblick in die Richtung, die bei der Roboterisierung eingeschlagen wird. Die im Deutschen mit dem Begriff „Industrie 4.0“ versehene systemische Umwandlung der Arbeitswelt braucht schließlich fortlaufend neue Technologien und Ideen.

          Im Zentrum des Interesses steht der Roboter als Kollege, der vor allem durch Sensortechnologien geprägte sogenannte „Cobot“. Die Sensorik der vernetzten Maschinen erfasst Daten aus ihrer Umgebung in einem zuvor nicht erreichten Ausmaß und erlaubt damit die direkte sichere Zusammenarbeit mit Menschen. Cobots arbeiten Seite an Seite mit Mitarbeitern, haben quasi mit Augen und Ohren ihre potentiell verletzliche Umgebung im Blick.

          Sie sind oft kleiner und billiger als ihre bisherigen Artgenossen, die Anpassung an neue Aufgaben geht leichter. Cobots könnten mit diesen Qualitäten und mit Verkaufspreisen um die dreißigtausend Euro auch in Branchen einziehen, die bisher noch wenig mit Robotertechnik am Hut haben. Wenn man von der Autoindustrie absieht, in der in Deutschland auf 10.000 Mitarbeiter mehr als 1100 Roboter kommen, ist noch Luft nach oben: In den anderen Branchen kommen auf die gleiche Anzahl Mitarbeiter bisher 147 Roboter.

          Sie könnten sogar noch ein Lied pfeifen

          Nicht nur Amazon folgt dem Trend der Roboter-Mensch-Zusammenarbeit, auch DHL hat in den Vereinigten Staaten gerade ein Pilotprojekt mit der Firma Locus Robotics begonnen: Die Cobots machen sich überall breit. Einige sind in ihrer Form Menschen nachempfunden und reichen ihren Kollegen aus Fleisch und Blut Werkzeuge oder suchen per Sprachbefehl gewünschte Informationen. Andere wirken eher wie kleine Gabelstapler und rollen den Menschen hinterher, um ihnen Lasten abzunehmen und Wege zu weisen.

          Manche haben auch ausfahrbare Teile oder lange Greifer, um die Reichweite zu vergrößern und dem Kollegen einen Hammer zu reichen. Was sie eint, ist ihre Beweglichkeit, Skalierbarkeit und Vernetzung: Sie wissen, wo sie sich befinden, sie kennen das gesamte Inventar der Umgebung und sie nehmen alle Umstehenden wahr. Oft hören sie auf Sprachbefehle, weisen effiziente Wege und könnten sogar noch ein Lied pfeifen, wenn die Programmierer das vorgesehen haben.

          Wer die Strategie von Amazon in den vergangenen Jahren verfolgt hat, bemerkt ein gewisses Umdenken. Nach dem Kauf und der technologischen Einverleibung der Firma Kiva Systems vor fünf Jahren war der Fokus auf Systemen, die ganze Warenlager entmenschlichen. Erst an den Packstationen waren Menschen vorgesehen, um aus den anrollenden Regalen die fertigen Pakete zu packen.

          Nun beginnt die Hinwendung zu den Cobots, für die seit dem letzten Jahr erstmals international standardisierte Sicherheitsanforderungen (Cobot Safety) definiert wurden. In Deutschland gibt es für kollaborative Roboter bereits seit 2014 TÜV-Zertifikate. Doch meint man die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine ernstlich im Sinne einer Kooperation, darf es nicht nur um die technischen Fähigkeiten und um Sicherheit und Kollisionsvermeidung bei Robotern gehen. Soll diese neue Arbeitswelt zugleich human und demokratisch sein, muss das auch absichtlich so gestaltet werden – mit Blick auf die menschlichen Kollegen. Das Thema Verhaltens- und Leistungsüberwachung und damit verbundene psychische Belastungen sollten von vornherein mitbedacht werden.

          Mit wem kommunizieren die Roboter potentiell noch?

          Das Delegieren von Arbeit an Maschinen wirft unweigerlich rechtliche Fragen auf: Wer darf Zugriff auf die Sensorendaten nehmen, die alles Umstehende erfassen? In welcher Weise dürfen sie ausgewertet werden? Der elektronische Handlanger als Kollege ist eben auch eine Datenmaschine, über deren gespeicherte Informationen betroffene Mitarbeiter mindestens sinnvoll informiert werden müssen.

          Eine genaue Analyse der Leistungen und Produktivität von Beschäftigten, die mit dem Roboter arbeiten, und auch Prognosen darüber, sind mit der Datenquelle nebenan kein Problem. Erkenntnisse aus der Auswertung können genauso zur Verbesserung von Arbeitsabläufen genutzt werden wie zur kleinteiligen Leistungskontrolle oder zur aktiven Verhaltenssteuerung der Mitarbeiter.

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          Wir sollten über diese Umwälzungen in der Arbeitswelt nicht aufhören zu diskutieren. Denn wie das bei Datenschutzfragen so ist, gesellen sich schnell auch Fragen der Industriespionage dazu: Mit wem kommunizieren die Roboter potentiell noch? Fahren durch die Hallen bewegliche, vernetzte Computer mit digitalen Augen und Ohren, die zudem in die Datensysteme der Firma oder vielleicht gar eine Cloud außerhalb integriert sind, muss auch die IT-Sicherheit neu bewertet werden.

          Die Gewinner von „Amazon Robotics“ musste das vorerst nicht interessieren: Ein Team der Universität im australischen Queensland errang den ersten Preis, gefolgt von Forschern der Universitäten Bonn sowie Nanyang in Singapur. Hier waren es nur Prototypen, aber der Siegeszug ihrer Artgenossen ist absehbar.

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