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Europa vor dem Brexit : Als die Leichtigkeit Grenzen bekam

2017 in Berlin: Flaggenparade des Erasmus Student Network zum 30. Geburtstag des Erasmus-Programm Bild: Reuters

Chronik einer Entfremdung: Die Geschichte einer jungen Engländerin, die an die Freiheit ihrer Generation im geeinten Europa glaubte und sich nun einen deutschen Pass zulegen musste, um Europäerin zu bleiben.

          5 Min.

          An einem Vormittag im Herbst sitzt Abigail Robinson in einer Münchner Behörde vor ihrem Einbürgerungstest und muss lachen. Sie versucht sich zu konzentrieren, ihre Zukunft in Deutschland hängt vom Ergebnis ab. Aber immer wieder bleibt ihr Blick an der Frage hängen: „Wofür steht EU?“ 1. Europäische Unternehmen 2. Europäische Union 3. Einheitliche Union 4. Euro Union. Es folgen eine Frage zum Sitz des Europäischen Parlaments und vier zu den europäischen Außengrenzen, dann ist das Thema abgehandelt, nächster Punkt: Recht und Alltag in Deutschland. So stellt sich die europäische Idee jemandem dar, der neu in Deutschland ist. So schlicht die Antwort auf eine zehn Jahre lange Suche.

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          Als Abigail Robinson ihr Zuhause im Alter von zwanzig Jahren zum ersten Mal verlässt, kämpft die Labour Party in London um ihre politische Zukunft. Es ist das Jahr 2009, die britischen Staatsschulden liegen bei mehr als einer Billion Euro. Neben der globalen Wirtschaftskrise beschäftigt das House of Commons eine hausgemachte Spesenkonten-Affäre. Im Radio läuft das Michael-Jackson-Gedenkprogramm. In Chichester, einer Kleinstadt zwischen Portsmouth und Brighton, erklärt Abigail Robinson dem Jungen, mit dem sie sich an Freitagabenden im Pub trifft, dass sie für ein Jahr nach Spanien ziehen wird. Er ist entsetzt: Eine Fernbeziehung über den Ärmelkanal, how on earth soll das gehen? Sie weint ein wenig, dann geht sie. Seit dem ersten Semester hat sie sich auf das Auslandsjahr gefreut.

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