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Vorwürfe gegen Achille Mbembe : Alles in einem Topf

Historiker und politischer Philosoph: Achille Mbembe Bild: Brigitte Friedrich

Der Philosoph Achille Mbembe wird zur Ruhrtriennale eingeladen. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung erhebt Einspruch: Mbembe habe den Holocaust relativiert und das Existenzrecht Israels in Frage gestellt. Hat er das?

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          Der Historiker und politische Philosoph Achille Mbembe, wir haben darüber berichtet, ist von der Intendantin der Ruhrtriennale eingeladen worden, dort im August das Festival mit einer Rede zu eröffnen. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung wendet dagegen ein, Mbembe habe den Holocaust relativiert und das Existenzrecht Israels in Frage gestellt. Ist er also für einen solchen Auftritt geeignet? Die Gerda-Henkel-Stiftung, die Mbembe vor zwei Jahren einen hochdotierten Preis für seine Forschungen verliehen hat, entgegnet, ihr seien keine Schriften von ihm bekannt, die solche Zweifel rechtfertigen könnten. Auch die Intendantin Stefanie Carp, berichtet der Deutschlandfunk, lese den Aufsatz, auf den sich die Kritiker der Einladung beziehen, „völlig anders“.

          Lesen wir also, was Mbembe im zweiten Kapitel seines 2017 bei Suhrkamp erschienenen Buches „Politik der Feindschaft“ geschrieben hat. Es geht ihm darin um den in manchen Staaten aufkommenden Wunsch nach einem Feind, nach der Separation von Bevölkerungsgruppen und dem Ausleben von Ausrottungsphantasien. Mbembe benennt die Träger solcher Wünsche nicht sehr konkret. Er spricht davon, „das Subjekt“ habe aufgrund seiner Vernichtungsängste solche Phantasien. Außerdem liegt ihm nicht viel an Unterschieden zwischen den Spielarten böser Phantasien: „der Allmacht, der Amputation, der Zerstörung oder Verfolgung, das hat kaum Bedeutung“. Will sagen: Das eine ist so schlimm wie das andere.

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