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Schriftstellerin Alice Walker : Den antisemitischen Verschwörungstheoretiker findet sie gut

In ihrem Weltbild hat ein antisemitischer Verschwörungstheoretiker seinen festen Platz: die Schriftstellerin Alice Walker. Bild: Getty

Alice Walker, Autorin von „Die Farbe Lila“ und engagierte Bürgerrechtlerin, bekennt sich abermals als Anhängerin eines antisemitischen britischen Verschwörungstheoretikers.

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          Wäre es nicht so schwer zu begreifen, wäre da nicht das anhaltende Echo der Debatten um Achille Mbembe, würde man mit leichtem Sarkasmus sagen: Oops! Sie hat es schon wieder getan. Alice Walker, die große afroamerikanische Schriftstellerin, weltberühmt durch ihren Roman „Die Farbe Lila“, die als junges Mädchen beim Marsch auf Washington dabei war, die sich engagiert hat in der Bürgerrechtsbewegung, gegen Apartheid, den Irak-Krieg oder für Chelsea Manning, die fast immer zu finden war, wo man liberale, denkende Menschen erwartet, sie hat erneut die abstrusen Verschwörungstheorien des Briten David Icke unterstützt.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Schon 2018 hatte sie den ehemaligen Fußballprofi und rechtsdrehenden Esoteriker in einem Interview mit der „New York Times“ zu einem augenöffnenden Autor erklärt. Vor ein paar Wochen hat Icke dem Lokalsender London Live ein Interview gegeben und behauptet, die jüdische Bankerdynastie Rothschild sei für das Coronavirus verantwortlich und Israel nutze die Pandemie, „um seine Technologien zu testen“. Die britische Medienbehörde verhängte eine Strafe gegen den Sender. Ickes Accounts bei Facebook und Youtube sind gesperrt, Spotify entfernte ein Podcast-Interview mit ihm. Alice Walker hat nun aber das Video auf ihrer Homepage (https://alicewalkersgarden.com) verlinkt. Klickt man es an, liest man: „Dies ist der größte Livestream, das größte von Menschen begründete Gespräch in der Geschichte. Es ist auch, meiner Meinung nach, das wichtigste.“ Neben dem Link das Bild eines Schwarzen, der die linke Faust in die Luft reckt und in der anderen Hand ein Foto von George Floyd hält. „The Bitter Poetry of America“ steht darunter, dann ein Gedicht: „These are the last words of George Floyd“. Ein bizarres Szenario.

          Man begreift es nicht, auch dann nicht, wenn man weiß, dass die 76-jährige Walker die BDS-Bewegung unterstützt hat und 2012 die Lizenz zu einer hebräischen Übersetzung von „Die Farbe Lila“ verweigerte: Israel sei ein „Apartheidstaat schlimmer als Südafrika“. Walker, die in erster Ehe mit einem jüdischen Bürgerrechtsanwalt verheiratet war, hat auch den Antisemitismusvorwurf aufgenommen, in einem langen, wirren und, ja, antisemitischen Gedicht von 2017: „It Is Our (Frightful) Duty To Study The Talmud“, es ist unsere (schreckliche) Pflicht, den Talmud zu studieren. Es wird nicht leichter, wenn man sieht, dass Walker auch in der Dokumentation „Renegade: The Life Story of David Icke“ (2019) mitwirkt, die man sich bei Amazon Prime ansehen kann. Dort sieht man auch: Der Mann hat eine stabile Fangemeinde für seine Theorien, die sich auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ berufen.

          Dass eine kluge Frau wie Alice Walker aus der lebenslangen Erfahrung von Unterdrückung und Rassismus in Amerika sich für die Sache der Palästinenser einsetzt, dass sie mit dem Südafrika-Vergleich operiert, der auch bei Mbembe auftaucht, dass ihre Israel-Kritik diesen antisemitischen Spin hat, über all das kann und muss man streiten. Aber dass sie einen Mann, der glaubt, die Erde werde von formwandelnden reptiloiden Humanoiden regiert, für einen ernsthaften Denker hält, das ist eine Verwirrung, der mit Logik und Argument nicht mehr beizukommen ist.

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