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Politguru Alexander Dugin : Auf diesen Mann hört Putin

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Der konservative Revolutionär verachtet die Masse

Russlands Chefeurasier, der seine Mission als das Nonplusultra des Postmodernismus hinstellt, fordert, der Westen solle seine eigenen kulturellen Werte als lokal betrachten. Als Vorbild stellt er die Russen hin, die derzeit nicht versuchten, ihre Werte anderen aufzudrängen. Das sei gut für den Polyzentrismus und die kulturelle Vielfalt, findet Dugin. Der modern-überhebliche Universalanspruch amerikanischer Expansionisten oder etwa der Europäischen Union führe nur dazu, dass die Wahrnehmungsfähigkeit echter Andersheit, aber auch die Regionalkulturen sich selbst verlorengingen.

Seine Vernetzung mit den europäischen Rechten und insbesondere das Stelldichein jüngst im Wiener Palais Liechtenstein, wo er für eine europäische Reaktion unter Moskauer Führung warb, spielt Dugin herunter. Zu seinen Freunden zählt er den Eurozentrismuskritiker John Hobson und den Wirtschaftswachstumsskeptiker Serge Latouche. Zu Marine Le Pen gefragt, lobt Dugin ihre Entwicklung zu einer ernstzunehmenden Politikerin. Auch über Präsident Putin bemerkt er nur knapp, mit seinem Ukas zur Vermögensrepatriierung und dem Verbot doppelter Staatsangehörigkeit bewege das russische Staatsoberhaupt sich in die richtige Richtung, nämlich in die des Volkes.

Freilich wird Dugin sogar in Russland niemals populär sein. Das will er auch gar nicht. Als konservativer Revolutionär verachtet er die Masse. Dugin ist ein Papierarchitekt, wie man die sowjetrussischen Baukünstler ohne Bauaufträge nannte, aber der eines mächtigen Staates. Er begeistert sich für den elitären Terrororden der „Opritschniki“ Iwans des Schrecklichen. Er unterscheidet die Korruption von „Compradores“, die ihre Vermögen außer Landes bringen, von der entschieden unschädlicheren „patriotischen“ Beamtenkorruption. Jetzt, da sein Land in der Sackgasse steckt, wittert er seine große Chance.

„Töten, töten, töten - ich sage das als Professor!“

In Dugins Rücken prangt ein Plakat mit Zarenkronen, den Tisch vor ihm ziert ein schwarzer Kaffeebecher mit Logo von Stalin, dem „bedeutenden Staatsmann und Theoretiker des Marxismus-Leninismus“, der Dugins Lehre zufolge verkappter Monarch war. Alexander Geljewitsch legt Wert darauf, ein orthodoxer Christ zu sein. Doch wie auch der hohe Klerus des Moskauer Patriarchats mahnt er, Christus habe das Schwert gebracht (Matth. 10, 34), und hält die Bergpredigt für überbewertet.

Deswegen fragte der Starjournalist Wladimir Pozner, selbst bekennender Atheist, Dugin neulich, ob er einen Menschen töten könne. Dugin fragte zurück: „Einen Feind?“ Pozner wiederholte: einen Menschen. Wenn er ein Feind sei, ja, sagte Dugin gereizt. Umso symptomatischer klang, als Pozner wissen wollte, was er einst zu Gott sagen werde, wenn er vor ihm stehe, sein Bekenntnis, er rechne nicht mit einer Privataudienz, sondern mit einem Empfang durch Subalterne.

Es erscheint paradox: Dugin, der die Hybris für seinen größten Fehler hält, ist dabei kein Individualist, kein Egozentriker, für den das Krisenbewusstsein zur Grundausstattung gehört, wie Joseph Brodsky über den Schriftsteller Andrej Platonow bemerkte. Im Gegenteil, die Philosophie Dugins bezieht ihre Autorität daraus, dass er sich zur Stimme anonym-massenhafter Prozesse zu machen und ihrer unpersönlich-kollektiven Logik zu folgen scheint. Wie bei jenem Internetauftritt unlängst, als Dugin, der selbst ukrainische Wurzeln hat, erklärte, alle Ukrainer müssten Vertreter der „Kiewer Junta“ „töten, töten, töten - ich sage das als Professor!“

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