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Aktivist in Berlin : Wongs Kalter Krieg

Der Hongkonger Demokratieaktivist Joshua Wong im September 2019 vor der Bundespressekonferenz in Berlin Bild: EPA

Hongkong ist das neue Berlin: Der Aktivist Joshua Wong hat eine Prophezeiung in die Welt gesetzt, an deren Erfüllung er mitwirken will. Weiß er auch, welche Eigendynamik da in Gang kommt – gezielt oder unabsichtlich?

          3 Min.

          Als der Hongkonger Aktivist Joshua Wong jetzt in Berlin um Unterstützung für die Proteste in seiner Stadt warb, gebrauchte er mehrfach einen prägnanten Vergleich: „Hongkong ist das neue Berlin.“ Was genau meint er damit? Auf den ersten Blick fallen vor allem die Unterschiede ins Auge. Berlin war vor der Wende eine geteilte Stadt, deren beiden Hälften den beiden verschiedenen Machtblöcken und Systemen angehörten, die sich militärisch und ideologisch gegenüberstanden. Hongkong gehört dagegen nur einem Machtblock an, dem chinesischen, der sich vertraglich verpflichtet hat, in der Stadt ein vom Rest des Machtblocks abweichendes, westlichen Staaten ähnelndes rechtliches und ökonomisches System zu dulden.

          Mark Siemons
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Diese historisch einmalige Konstellation ist der Hintergrund der Demonstrationen, zu deren Hochzeiten zwei Millionen Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung, auf die Straße gingen: Sie protestierten bei ihrer Regierung, letztlich aber bei der Pekinger Zentralregierung, gegen die Erosion der rechtsstaatlichen Eigenständigkeit ihrer Stadt, verlangten die inzwischen bewilligte Rücknahme eines Auslieferungsgesetzes an die Volksrepublik und die unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, die in den vergangenen Monaten immer drastischere Formen angenommen hat.

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