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Was ist Deutsch, Herr Mansour? : Beim deutschen Essen werde ich rassistisch

Bild: Jens Gyarmaty

Der Präventivpädagoge Ahmad Mansour ist so umstritten wie gefeiert: Seine klaren Worte zu Integration, Islam und Werten haben dazu geführt, dass er Personenschutz braucht. Ein Sommerinterview mit Ahmad Mansour.

          1 Min.

          Herr Mansour, wann haben Sie sich wirklich deutsch gefühlt?

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

          Seitdem ich den deutschen Pass habe und nicht mehr viel darüber nachdenken muss, ob ich ein Visum brauche oder nicht, etwa für arabische Länder, in die ich als Israeli nicht reisen durfte. Es ist zwar nur ein Stück Papier, aber es ermöglicht mir, mich als Teil der deutschen Gesellschaft zu fühlen.

          Haben Sie einen deutschen Lieblingsdialekt?

          Bayrisch. Das kommt vielleicht von meiner Liebe zum F.C. Bayern, die 1999 mit der Niederlage gegen Manchester United begann. Ich finde den Berliner Dialekt nach wie vor unsympathisch, obwohl ich hier ja zuerst sozialisiert wurde und seit sechzehn Jahre lebe.

          Welches Wort in der deutschen Nationalhymne ist Ihnen am wichtigsten?

          Recht und Freiheit. Vor allem Freiheit. Das ist mein wichtigster Wert im Leben. Freiheit ist das Wort, bei dem am emotionalsten werde, weil ich in Unfreiheit aufgewachsen bin. In einem patriarchalischen, unfreien Umfeld.

          Wo ist Deutschland am schönsten?

          Da, wo die Berge sind. Vor allem im Süden, die Alpen. Mein Traum ist es, irgendwann mit Siebzig ein kleines Haus zu haben, wo ich morgens beim Kaffeetrinken die verschneiten Alpen sehen kann.

          Was ist die beste deutsche Erfindung?

          Buchdruck.

          Welches deutsche Essen verachten, welches lieben Sie?

          Oh, jetzt werde ich rassistisch. Ich frage mich, ob es überhaupt deutsches Essen gibt, das ich mag. Wenn ich mich an meinen Schwiegereltern orientiere, dann bekomme ich immer Salat mit Spätzle. Verachtung ist vielleicht etwas zu viel gesagt, aber ich finde, es fehlt der deutschen Küche an Kreativität. Wenn Sie mir Wiener Schnitzel als ein zumindest deutschsprachiges Essen durchgehen lassen, dann würde ich das als mein Lieblingsgericht wählen.

          Welche zwei Persönlichkeiten der deutschen Geschichte würden Sie gerne einmal miteinander ins Gespräch bringen?

          Helmut Schmidt und Angela Merkel über das Thema Migration – wobei der SPD-Bundeskanzler wahrscheinlich der Konservativere von beiden wäre. Und wenn es ein richtig historisches Gespräch sein soll, dann würde ich gerne Friedrich Nietzsche und Martin Luther zu einem Gespräch über Religion zusammenbringen.

          Was ist ihr Lieblingswitz über Deutsche?

          Alle Witze, die von Deutschen handeln, die sich streiten, wenn sie die falschen Socken zu Weihnachten bekommen. Das war meine größte Angst, als ich das erste Mal zu meinen Schwiegereltern kam.

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