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Desaster in Afghanistan : Die mentale Blockade der deutschen Politik

  • -Aktualisiert am

Hier kommen deutsche Ortskräfte jetzt nicht mehr durch: Taliban-Kämpfer haben den Flughafen von Kabul abgeriegelt. Bild: AFP

Warum hat die Bundesregierung nicht schon im Juni getan, was jetzt zu spät kommt? Die Migrationskrise von 2015 bleibt als Mythos wirksam, der eine realistische Politik vereitelt. Ein Gastbeitrag.

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          Nein, zu Strategien in und um Afghanistan kann und will ich nichts sagen, weil ich dazu mehr Meinung als Wissen habe. Aber die Tragödie um die Wiedereinsetzung der Taliban – nun im Vergleich zu vorher mit besseren Waffen und Social-Media-Kompetenz – wird aus deutscher Sicht noch durch die Tragödie um die Diskussion um das Ausfliegen der besonders gefährdeten Ortskräfte, Helfer, aber auch solcher Personen, die sich in Afghanistan öffentlich für eine pluralistische Lebensweise engagiert haben, übertroffen. Besonders betroffen davon sind Frauen.

          Inzwischen wird unisono betont, dass es höchste Zeit dafür sei und dass nun endlich genau dafür gesorgt werden müsse – das aber mehrere Wochen zu spät, nachdem die Bundeswehr längst abgerückt ist und man nun Hilfsflüge organisiert, deren Erfolgsaussichten laut Expertenmeinung eher begrenzt sind. Nur warum kommt das Ganze so spät? Die Forderung danach, was jetzt unisono gefordert wird, ist schon im Juni Gegenstand einer parlamentarischen Debatte gewesen. Ein mit den jetzigen Forderungen fast identischer Antrag der Grünen wurde abgelehnt – einerseits aus Prinzip, wie ein Unions-Abgeordneter auf Twitter jetzt zähneknirschend einräumt, andererseits aber doch auch mit einer gewissen Systematik. Interessant sind die Assoziationsketten, die mit dem Trauma der Flüchtlingskrise von 2015 zu tun haben. Man dürfe jetzt nicht wiederholen, was sich 2015 ereignet habe. Der Kanzlerkandidat der Union sprach von falschen Signalen, die man setzen würde, würde man nun Migration von Afghanistan nach Europa anregen.

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