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Wo die AfD nicht punktet : Modell Münster

In Münster nur Mauerblümchen: Plakat der AfD beim Parteitag in Hessen in einer Mehrzweckhalle in Gießen. Bild: dpa

In Münster hat die AfD kein Land gesehen. Dafür gibt es einen ganz bestimmten Grund. Und der hat mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu tun.

          Aus Münster kamen in den vergangenen Wochen beschämende Nachrichten: Kunstwerke der Ausstellung Skulptur Projekte wurden beschädigt, eines mit einem Hakenkreuz besprüht. Zum Bild der Stadt, die Chefkurator Kasper König – vor dem Hurrikan Irma! – zum „akademischen Florida“ ausrief, will das nicht passen, doch die Bundestagswahl hat es geradegerückt: Der Wahlkreis 129, Münster, ist der einzige im ganzen Land, in dem die AfD unter fünf Prozent blieb.

          Dabei wurden die Volksparteien auch hier kräftig bestraft, beide – die CDU mit 32,8, die SPD mit 20,9 Prozent – erreichten ziemlich genau den Bundesschnitt; doch davon profitiert haben weniger die Rechtspopulisten, die nur um zwei Punkte auf 4,94 Prozent zulegten, als vielmehr die FDP (13,5 Prozent, plus 6,7) und auch Die Linke (10,1 Prozent, plus 3,9), während sich Grüne (14,6 Prozent, minus 0,6) halten konnten, und das bei einer hier traditionell hohen Wahlbeteiligung von 82,3 Prozent.

          „Auf so viel politische Vernunft darf man durchaus stolz sein“, kommentieren die „Westfälischen Nachrichten“ und erinnern daran, dass hier einst Kardinal von Galen wirkte. Die Gründe scheinen naheliegend: Münster ist wohlhabend und wertkonservativ, jeder sechste der rund dreihunderttausend Einwohner studiert, das hält die Stadt jung, und dass viele aus dem Ausland kommen, hat Tradition; Toleranz und Offenheit müssen nicht erst gelernt werden.

          Dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen

          Doch solche Voraussetzungen haben andere Universitätsstädte auch, entscheidend ist etwas anderes: Schon vor Jahren hat Münster ein System der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen aufgebaut, mit kleinen, über das ganze Stadtgebiet verstreuten Wohneinheiten, so dass Brennpunkte gar nicht erst entstehen konnten. Die Neuankömmlinge blieben in kleinen Gruppen und stießen in den Kirchengemeinden auf willkommensengagierte Hilfsbereitschaft.

          Wer sich in Münster umhört, wird immer wieder auf den Beamten verwiesen, der das Integrationsmodell entwickelt hat: Jochen Köhnke. Der Sozialdemokrat ist 1997 als persönlicher Referent von Marion Tüns, der einzigen, dazu noch evangelischen (!) SPD-Oberbürgermeisterin in der Geschichte der Stadt, nach Münster gekommen und zwei Jahre später von ihrem CDU-Nachfolger auf das Dezernat für Spätaussiedler und Flüchtlinge, später für Migration und interkulturelle Angelegenheiten abgeschoben worden – ein undankbarer Posten, aus dem er viel gemacht hat. Sein Konzept wurde beachtet und hat sich, auch wenn es 2015 an seine Grenzen kam, bewährt.

          Als Köhnke dann zum OB kandidierte und unterlag, hat der CDU-Wahlsieger eine neue Verwendung für ihn gesucht. Doch der kaltgestellte Dezernent hat sich selbst umgesehen, im November übernimmt er, inzwischen 62 Jahre alt, die Leitung des neuen Ressorts für Kultur, Inklusion und Integration der Stadt Iserlohn. Welche Aufgabe ihn dort erwartet, lässt das Wahlergebnis ermessen: In Iserlohn kam die AfD auf 12,4 Prozent.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

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