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AfD-Aussteigerin berichtet : „Es ist nicht klug, sich aus diesem Krieg herauszuhalten“

AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber Bild: Ullstein

Gegenwehr ist das Gebot der Stunde: Während in der AfD die Richtungskämpfe an Schärfe zunehmen, erzählt Franziska Schreiber in Berlin aus der Innenwelt der Partei, der sie einst angehörte.

          3 Min.

          Wenn man sich einen Menschen der jüngeren Generation vorstellen sollte, ein Kind des Internets, an dem die Brüche gegenwärtiger deutscher Politik und deutscher Grabenkämpfe besonders gut sichtbar werden, wäre Franziska Schreiber keine schlechte Wahl. Sie spricht schnell, manchmal kommt der Atem nicht ganz nach, aber hier ist erkennbar eine Frau, die schon auf vielen Podien gesessen hat. Sie wolle eine „Dolmetscherfunktion“ übernehmen, sagt sie den Zuhörern, die ins Potsdamer Einstein Forum zur Tagung „Can You Believe It – Crises of Credibility“ gekommen sind. Sie wolle erklären, wie es ist, „wenn man sich von der ganzen Welt unverstanden fühlt“. Denn die Macht von Verschwörungstheoretikern sei groß, sagt Schreiber, Politik sei in Deutschland zu einem „geteilten Bereich“ geworden, manche wanderten in dunkle Zonen ab. Hier die eher gewöhnliche Welt mit Abendnachrichten und Talkshow-Diskursen – dort die Filterblase der extremen Rechten mit ihrem technologischen Wissen, ihren ausgeklügelten Strategien und permanenten „Gegenangeboten“ im Netz. Gegenangebote wozu? Zu „etablierten Wahrheiten“, die niemand außer den Rechten bezweifele.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Franziska Schreiber, Jahrgang 1990, ist in Dresden aufgewachsen. Als Kind aus linksliberalem Haushalt war sie irgendwann unzufrieden mit der Art, wie in ihrer Familie mit Politik umgegangen wurde. Sie begann sich erst für die FDP, dann für die frühe AfD von Bernd Lucke zu interessieren. Auch den Rechtsschwenk zu Frauke Petry machte sie noch mit: Schreiber war vier Jahre lang im Vorstand der Jungen Alternative in Sachsen aktiv und fungierte als stellvertretende Pressesprecherin, ein Ost-Gesicht zum Vorzeigen: jung, unbekümmert, kritisch, auf der Suche nach dem Authentischen in der Politik, eigentlich das, was man sich in bürgerlichen Wohnzimmern wünscht. Als „rechts“ hat sie die AfD in den ersten beiden Jahren nicht empfunden.

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