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Hype ums Meditieren : Acht Wege zum Glück?

Man kann tausend Meditations-Apps herunterladen, ohne seinen Blick auf die Welt auch nur um einen Millimeter zu erweitern. Bild: Picture-Alliance

Meditations-Apps versprechen innere Ruhe und ein optimiertes Ego. Wer jedoch den Weg vom Ich zum Wir finden will, muss das Bewusstseinstraining aus der Wellness-Ecke befreien.

          4 Min.

          Als der Psychologe Stefan Schmidt zum ersten Mal meditierte, existierten noch keine Entschleunigungs-Apps für das überforderte Ich. Meditation und Achtsamkeitstraining waren keine boomende McMindfulness-Industrie, und weder in der Finanzbranche noch im Silicon Valley gehörte Meditieren zu einem optimierten Mitarbeitermanagement dazu. Das war 1998. Schmidt sehnte sich nach Ruhe, nach einem Rückzugsort zur inneren Einkehr, und als ein Freund ihn fragte, ob er mit ihm in ein Schweige-Retreat fahren möchte, sagte Schmidt ja. Zehn Tage verbrachte er in einem Vipassana Retreat, wo er die Grundlagen der Achtsamkeitsmeditation lernte. Heute setzt sich Stefan Schmidt jeden Morgen auf ein Dinkelspreukissen, die Beine untergeschlagen, eine angenehme Position, in der er zwanzig bis 25 Minuten meditiert. Drängt die Zeit, fällt die Geistesschulung kürzer aus, im Kreis der Kollegen meditiert er länger, 35 bis vierzig Minuten. Schmidt sagt, eine seiner Stärken sei es, Ruhe zu bewahren, wenn die Suppe hochkoche.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Meditationsforscher von der Universität Freiburg beschäftigt sich mit der Frage des In-der-Welt-Seins. Eine Frage, die viele umtreibt. Die effizienzgetriebene Bewusstseinsindustrie speist schon lange sehr erfolgreich zurechtgestutzte religiöse Praktiken aus Fernost in den kapitalistischen Kreislauf ein. Inzwischen gibt es zahllose CDs, Bücher, Videos und mehrere tausend Apps, die innere Ruhe und Tiefenentspannung versprechen – ausgerechnet indem man jenes Gerät benutzt, das die Unruhe, die man bekämpfen möchte, größtenteils verursacht.

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