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A.L. Kennedy : Fregatte Frauenliteratur

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Frühe Frauenliteratur Bild: AP

Der Begriff Frauenliteratur wird immer wieder als Knüppel hervorgeholt, mit dem man auf schreibende Frauen einschlagen kann. Die Schriftstellerin A.L. Kennedy über eine ihr verhaßte Kategorisierung.

          Frauenliteratur gibt es nicht. Genauso- wenig wie Linkshänderliteratur, Rothaarigenliteratur, europäische Literatur, Literatur der Nordhalbkugel. All diese Kategorien sind ebenso groß wie bedeutungslos. Tragischerweise ist Frauenliteratur die einzige, die immer wieder als Knüppel hervorgeholt wird, mit dem man auf schreibende Frauen einschlagen kann.

          Entweder ist Frauenliteratur kitschig und kuschelig, voller Kinder, Klamauk und Klamotten - oder Frauenliteratur ist kraß und aggressiv, die Sorte Schmutz, die man von einer beleidigten Ex-Stripperin erwarten würde - oder Frauenliteratur dreht sich ausschließlich um verstopfte Abflüsse, Blutungen und Gruppentherapie bei Walgesang.

          Immer das, was stört

          Im Grunde ist Frauenliteratur immer das, was die betreffenden Journalisten, Kommentatoren, Akademiker oder Autoren an den letzten paar Büchern von Frauen gestört hat, die sie gelesen haben. Ausladende Verallgemeinerungen müssen dann her, Beleidigungen müssen verschossen werden, und persönliche Kränkungen sind ebenfalls willkommen.

          In ihrem Vorwort zu ihrer unlängst erschienenen Anthologie „New Writing 13“ haben die Autorinnen Ali Smith und Toby Litt beschlossen, abfällige Bemerkungen über die potentiellen Verfasserinnen ihrer Beiträge zu machen, und das in einer Form, die auf weiterreichende Anwendbarkeit ihrer Kritikpunkte schließen läßt.

          Enttäuschend häuslich

          „Im großen und ganzen“, schreiben sie, „waren die eingereichten Beiträge von Frauen enttäuschend häuslich, genau das Gegenteil von riskant - als sei die Mehrzahl der Autorinnen mit einer speziellen Droge ruhiggestellt worden, die sie abstumpft und zu guten Menschen macht, die das Richtige sagen, nach der richtigen Form streben und dabei melancholisch und wahnsinnig deprimiert sind.“ Eigentlich liest sich ihr Vorwort wie ein Protest gegen Fadheit im allgemeinen, aber nichts liegt mir ferner, als ihre Worte nicht aus dem Zusammenhang zu reißen - denn das werden alle anderen auch tun, weil man ja das Wesen der Frauenliteratur diskutiert.

          Hat das irgendeine ernsthafte Bedeutung für Frauen, für die Literatur, für Leser und Leserinnen, für Frauen, die schreiben? Es wäre mir lieb, wenn nicht.

          Aber das Verlagswesen in Großbritannien ist derzeit in der Krise. Maßlose Rabatte für muskelprotzende, aber phantasielose Buchhandelsketten haben die Verlagsgewinne minimiert. Immer weniger Platz wird immer weniger Büchern eingeräumt. Immer mehr Geld wird einem winzigen Ausschnitt der lieferbaren Titel hinterhergeworfen, um ihnen Sichtbarkeit zu erkaufen. Autorenvorschüsse werden dafür gekürzt. Was weckt in Verlegern und Marketingabteilungen noch ein Fünkchen Selbstvertrauen? Das Gefühl, einen verkaufsträchtigen Gewinner ins Rennen zu schicken. Was verleitet Buchläden dazu, ein Buch vorrätig zu halten (vom maßlosen Rabatt abgesehen)? Das Gefühl, einen verkaufsträchtigen Gewinner ins Rennen zu schicken. Wie aber definieren sie einen verkaufsträchtigen Gewinner? Mit Hilfe hirnloser und ruinöser kleiner Kategorien.

          Lesbische Imkerinnen

          So wird also beispielsweise das in Pastelltönen gehaltene amerikanische Buch über die mißhandelte Ehefrau, die aufs Land in eine lesbische Imkerinnenkommune flieht und dort Heilung findet, mit aller Macht gepuscht, weil ja schon im letzten Jahr ein Buch über lesbische Imkerinnen Erfolg hatte, dann wird eine britische Version ausgegraben oder gar in Auftrag gegeben, bis allen der Appetit auf sapphische Bienenfreundinnen gründlich vergangen ist. Die Gewinnmargen werden immer schmaler, aber jedes Risiko würde bedeuten, daß sie ganz verschwinden könnten, und das hätte wiederum zur Folge, daß jemand (vielleicht sogar mehrere Jemande) gefeuert würde.

          Es gibt immer noch Verleger mit Mut und Integrität, aber sie stehen unter gewaltigem Druck. Vielleicht muß man nicht unbedingt Sympathie für sie aufbringen, aber wenn uns an Kurzgeschichten, Gedichten oder Romanen gelegen ist, die außerhalb der Massenware liegen, die nicht aus Listen trivialer Fakten oder der Diskussion orthographischer Fehler bestehen, dann brauchen wir Verleger, die frei genug sind, ihre Arbeit zu tun - das heißt, uns mit Büchern zu versorgen, von denen wir nicht wußten, daß wir sie haben wollten, die keine Klone der letztjährigen Bestseller sind, die riskant oder beleidigend sein können oder erfolglos oder schockierend oder höchst erfreulich oder das einzige, was uns im schlimmsten Monat des Jahres am Leben erhält.

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