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Goethe-Institut : „Allergie gegen alles, was nach deutscher Bildung riecht“

Fernes 1969: Goethe-Sprachstudenten aus Ghana mit ihrer Gastfamilie unterwegs in Murnau Bild: Goethe-Institut

Das Goethe-Institut wird siebzig Jahre alt, feiert sich selbst und zieht Bilanz. Nur von deutscher Kultur ist auffallend wenig die Rede.

          4 Min.

          In einem kurzen Werbefilm zum siebzigsten Geburtstag des Goethe-Instituts werden ein paar Stationen aufgezählt, die für die auswärtige deutsche Kulturarbeit wichtig waren. Etwa die Gründung des ersten Auslandsinstituts, 1952 in Athen. Oder die Erweiterung des Aufgabenfelds von der reinen Sprachlehre auf die Kulturarbeit im Jahr 1961. Oder der Rahmenvertrag über Pflichten und Freiheiten, den das Bundesaußenministerium und das Goethe-Institut 1969 unterzeichneten und der mit Modifikationen ein halbes Jahrhundert später immer noch gültig ist, vermutlich eines der glücklichsten Vertragskonstrukte unseres Landes. Nicht zu vergessen die enorme Aufwertung der auswärtigen Kulturpolitik während der Kanzlerschaft Willy Brandts, ihre Adelung zur „dritten Säule“ der Außenpolitik, deren Leitsätze 1970 der damalige Parlamentarische Staatssekretär Ralf Dahrendorf formulierte.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Es gibt gute Gründe, warum sie jahrzehntelang Bestand hatten und fast schon auf heutige Debatten um Diversität und Postkolonialismus vorausdeuten: Dahrendorf proklamierte vor fünfzig Jahren den Abschied vom nationalen Selbstbezug und richtete den Blick auf die Partner, ob in Asien, Afrika oder Lateinamerika. Auswärtige Kulturpolitik sollte sich nicht an Ewigkeitswerte klammern, sondern sich mit der politischen Gegenwart befassen und ein „Angebot an alle“ sein. Eine Einladung zur Kooperation „auf Augenhöhe“, wie man heute sagen würde, in gewissem Sinn die idealistische Seite der Politik und ihr besseres Selbst.

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