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Intelligenz-Forschung : Wir sind alle Schlümpfe

  • -Aktualisiert am

Auch in Schlumpfhausen gibt es eine intellektuelle Oberschicht... Bild: Lucas Wahl

Dass Intelligenz nicht vom Himmel fällt, hat die Debatte um Thilo Sarrazins Thesen gezeigt. Aber wo kommt sie dann her? Fest steht: Ein spezifisches Juden-Gen gibt es nicht. Genauso wenig wie ein Deutschen- oder ein Türken-Gen.

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          Eine Frage, die an jeden bayerischen Stammtisch passt: Was passiert, wenn eine Blondine von Österreich nach Deutschland übersiedelt. Antwort: In beiden Ländern sinkt der Intelligenzquotient.

          Da können gleich zwei Bevölkerungsgruppen nicht drüber lachen. Wahr ist die Behauptung deshalb noch lange nicht, denn es gibt keine Studien, die belegen würden, dass der durchschnittliche IQ von Blondinen höher liegt als der österreichische, aber niedriger als der deutsche. Und selbst wenn es so wäre, hieße das immer noch nicht, dass Österreicher, Deutsche oder Blondinen von Geburt an so begriffsstutzig oder so gescheit sind, wie sie in Witzen gern dargestellt werden.

          Intelligenz „zu fünfzig bis achtzig Prozent erblich“?

          Gepflegte Vorurteile kommen ohne Fakten aus. Gefährlich wird es erst, wenn diese von vermeintlichen Autoritäten nachgeliefert werden. Deutschlands Intelligenz sei kollektiv im Sinkflug, weil muslimische Migranten einen immer größeren Prozentsatz der Bevölkerung stellen, war die heftig diskutierte These der vergangenen Tage. Der gelernte Volkswirt Thilo Sarrazin unterfütterte sie in Interviews mit einer Handvoll Statistiken. Von da aus schlug er den Bogen zur Naturwissenschaft: Intelligenz sei nicht nur eine Frage des gesellschaftlichen Umfelds, sondern „zu fünfzig bis achtzig Prozent erblich.“ Aus der Sympathiekurve trug es ihn dann, als er auch noch die Bemerkung fallenließ, es sei schließlich bewiesen, dass „alle Juden ein bestimmtes Gen teilen“. Befragt, woher er das so genau wisse, gab er an, er habe das in der Zeitung gelesen; drei jüdische Mitbürger hätten es ihm außerdem schriftlich bestätigt.

          ... Die unten haben allerdings genauso viel zu sagen.

          Dies als die Privatmeinung eines notorischen Radaubruders abzutun, der in seinem Job bei der Bundesbank nichts anderes zu tun hat, wäre zu kurz gegriffen. In allen Meinungsforen der großen Medien dieses Landes findet Sarrazin breite Unterstützung. Die Medien selbst machten zu Beginn der Debatte nahezu einhellig Front gegen ihn. Selten haben öffentliche und veröffentlichte Meinung so auseinandergeklafft. Allein deshalb verdient der unter Berufung auf die Wissenschaft vorgetragene Aspekt seiner Behauptungen eine ernsthafte Auseinandersetzung.

          Austausch mit der lokalen Bevölkerung

          Angefangen mit der letztgenannten: Gibt es ein Gen, das alle Juden besitzen, aber andere Bevölkerungsgruppen nicht? Das kann man in dieser Schlichtheit vergessen. Beim Judentum handelt es sich einerseits um eine Glaubensgemeinschaft, die im Laufe ihrer langen Geschichte unter anderem im Vorderen Orient, Europa, Afrika, Nordamerika und sogar in China Heimat fand. Überall kam es zum Austausch mit der lokalen Bevölkerung. Genetisch verfolgen lässt sich beispielsweise die Abstammung des männlichen Y-Chromosoms; dabei stieß man unter anderem auf eine gemeinsame Linie, der heute siebzig Prozent der israelischen Juden und fünfzig Prozent der arabischen Palästinenser angehören.

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