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180 Jahre Vorbildcharakter : Pariser Pompiers

  • -Aktualisiert am

Notre-Dame, 15. April 2019: Feuerwehreinsatz im Inneren der brennenden Kathedrale Bild: BENOIT MOSER/BSPP/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Als 1832 Aufständische den Südturm von Notre-Dame in Brand gesteckt hatten, konnte die Feuerwehr die Flammen schnell löschen. Wenige Jahre später machte sie ein Buch berühmt, das heute noch aktuell wirkt.

          Der 4. Januar 1832 war in der Geschichte von Notre-Dame ein besonders dramatischer Tag. Wie die deutsche Presse damals berichtete, hatten sich an jenem Nachmittag um vier Uhr acht Personen aus den aufrührerischen Karlisten-Kreisen in die Kathedrale unter dem Vorwand begeben, ihre Türme besichtigen zu wollen. Was dann geschah, sollte der Auftakt zu einer Revolution sein: Die Rebellen verbarrikadierten sich im Gotteshaus, läuteten die Sturmglocke und steckten den Südturm in Brand. Der Polizei gelang es jedoch, die Aufständischen zu überwältigen, und die herbeigeeilten städtischen Pompiers konnten das Feuer schnell löschen.

          Wenn nicht schon zu diesem Zeitpunkt, so wurde die Pariser Feuerwehrbrigade spätestens 1837 zur Legende, als ihr Chef Gustave Paulin seine richtungsweisende Schrift „Théorie sur l’extinction des incendies“ veröffentlichte, die sogleich zum Standardwerk wurde und sieben Jahre später unter dem Titel „Theorie des Feuerlöschens“ auch auf Deutsch erschien. Schon zuvor galten hierzulande Paulin und seine „Spritzmänner“ als heldenhafte Feuerbekämpfer, deren Löscheinsätze manch populäre Zeitschrift romantisierend mit Superlativen wie „Zauberschlag“ feierte und ihrem schnellen Eingreifen die „Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferdes“ attestierte.

          Die Herausforderungen, die sich der Feuerwehr bei Bränden stellen, wusste Paulin in seinem Handbuch so präzise zu beschreiben, dass es sich auch heute noch erstaunlich aktuell liest. Als Erstes müsse man, konstatierte er, das Übergreifen der Feuersbrunst auf umliegende Häuser verhindern. Schon an zweiter Stelle sprach Paulin ein Problem an, das im Selfie-Zeitalter noch virulenter geworden ist. „Die Menge der Neugierigen“ wie auch die hilfsbereiten Bürger müsse man „bis zu einer bedeutenden Entfernung zurückweisen, denn ihr Eifer schadet gewöhnlich mehr, als er nützt, weil sie nicht die notwendigen Kenntnisse besitzen und eben dadurch nicht selten die Gefahr vergrößern, statt sie zu vermindern.“

          Auch ein uns aus Fernsehbildern von sozialen Unruhen allzu vertrautes Phänomen hatte der Pompier als potentielle Gefahr erkannt, nämlich jene „sich unter die helfenden Bürger“ mischenden „Diebe“, die es auf das Eigentum der Betroffenen abgesehen hätten. In Deutschland nahm man sich nicht nur Paulins detaillierte Anweisungen zum Aufbau von Feuerwehrmannschaften und deren Einsatz zum Vorbild, auch machten sich hiesige Produzenten von Feuerlöschmaschinen die Erfahrung der Franzosen zunutze.

          Von der ungebrochenen Bewunderung für die Pompiers der französischen Hauptstadt zeugt auch das 1856 in Braunschweig erschienene „Handbuch der Pariser Feuerwehr“, das, wie der Untertitel verrät, „Für deutsche Polizeimänner und Communalbeamte, sowie für deutsche Militär- und Bürgerfeuerwehren“ bearbeitet wurde. In Frankreich blieb Gustave Paulin, dessen eigens entwickeltes Atemgerät übrigens auch in der Meeresforschung Verwendung fand, lange eine legendäre Figur, deren Ruhm bis heute strahlt. Noch Anfang April empfahl der Colonel Sapeurs-Pompiers Gilles Mengual aus dem bretonischen Département Côtes-d’Armor auf Twitter die „Theorie des Feuerlöschens“ als Lektüre. Dass man Paulins Empfehlungen auch weit über die Pariser Metropole hinaus schätzt, ist nicht ohne Grund, denn er hatte offenbar an alles gedacht: auch an die Organisation der Feuerwehr „in den Provinzen“, der Paulin ein ausführliches Kapitel widmete.

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