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Debatte : Die Akademie dankt

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Historische Verlegenheit

"Es liegt eine gewaltige Verlegenheit über dem ganzen Vorgang", schreibt Siemons über das vorläufig letzte Kapitel der Baugeschichte am Pariser Platz. Die Verlegenheit wird nicht enden, wenn der Behnisch-Bau mit mehrjähriger Verspätung eines Tages doch noch bezugsbereit sein sollte; denn die "beste Adresse der Republik" ist selbst Ausdruck einer größeren, um nicht zu sagen: historischen Verlegenheit. Was hat die Akademie da verloren? Das als Arnim-Boitzenburgsches Palais bekannte Gebäude war vom ersten Preußenkönig seinem "Hofjuden" Meyer-Rieß offeriert worden, bevor es fast zweihundert Jahre später zum Sitz der königlich-preußischen Akademie und zum Schau- und Beweisstück wilhelminischen Kunstsinns avancierte. Nach dem Ersten Weltkrieg mauserte sich die Akademie - unter Liebermanns Präsidentschaft - zu einer republikanischen Institution, und Ach und Krach dieses Prozesses lassen sich an ihren Sitzungsprotokollen und Mutationen wie an einer Fieberkurve ablesen, bevor das NS-Regime unter den Mitgliedern in seinem Sinn aufräumte.

Der Schatten, der von der Akademie nach 1933 übriggeblieben war, mußte das Haus am Pariser Platz Hitlers Baumeister Speer überlassen. Nach 1945 dienten die Halbtrümmer teils Fritz Cremer als Werkstatt für sein Buchenwald-Mahnmal, teils der DDR-Grenzpolizei zum Verhör der Mauerspringer, von denen sie einen, wie erst jüngst publik wurde, "auf der Flucht erschossen" hat. Im Kalten Krieg duplizierte das frei gebliebene West-Berlin die Repräsentationssymbole des verlorenen Zentrums, so auch die Akademie im Hansaviertel. Die Logik der Vereinigung verlangte die Rückkehr der Akademie an die "erste Adresse", ohne daß die inzwischen selbst historisch gewordenen Schauplätze im Westen und Osten aufgegeben worden wären, vielmehr kamen aus der Konkursmasse der DDR noch weitere Wertstücke wie das Archiv, das Brecht-Haus oder die Zeitschrift "Sinn und Form" hinzu.

Konflikt mit sich selbst

Aus der Mitgliedersozietät wurde ein diversifiziertes Unternehmen mit einem beträchtlichen Verwaltungsapparat - immer auf der Suche nach seinem Kerngeschäft. Daß es jetzt - zur Entlastung des Berliner Haushalts - in die Trägerschaft des Bundes übergegangen ist, vermag, was nichts Geringes ist, die "Verlegenheit", von der Siemons spricht, nur finanziell zu mindern. Der Konflikt der Akademie ist im Kern einer mit sich selbst: Einem sprunghaft gestiegenen und salopp vorgetragenen Bedarf an öffentlicher Rechtfertigung steht die ungeschriebene, aber keine Verletzung verzeihende Maxime entgegen, daß die Akademie ebendiese Rechtfertigung schuldig bleiben muß, wenn sie sich selbst treu bleiben will. Diese Maxime ist die Bedingung, unter der sie das ihr eigene Gut produziert. Zugleich war und bleibt die Freiheit, die sie genießt - und die der Staat nicht "gewähren", nur verhindern kann -, ihrerseits ein sicheres Indiz für die innere Freiheit des Staates selbst. An seinem Umgang mit einer Akademie wird er nicht weniger gemessen als sie an ihrem intelligenten Widerspruch gegen Einvernahme, die schon bei zu viel - gutgemeinter - Einvernehmlichkeit beginnt.

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