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David Groenewold : Ein Freund, ein guter Freund

Soll er etwas plazieren? Wulff-Freund David Groenewold Bild: dapd

Auf den Berlinale-Empfang seines Freundes will er, wie wohl manche andere, lieber nicht gehen. Wer ist eigentlich dieser David Groenewold, der anscheinend so gern die Rechnungen des Christian Wulff beglichen hat?

          In Christian Wulffs Buch „Deutschland kommt voran“, jenem Buch also, welches allem Anschein nach von dem Filmproduzenten David Groenewold, 38, diskret mitfinanziert wurde, stehen, auf den Seiten 57 und 58, folgende Sätze: „Wenn Politiker ein zu großes Maß an Nähe und Vertrautheit zulassen, bleibt die Seriosität auf der Strecke. Distanz und Diskretion sind für die Vertrauensbildung unentbehrlich. Volksnähe ist gut. Sie aber bis zur Kumpelhaftigkeit überzustrapazieren, nicht.“ Im selben, wie gesagt von Groenewold diskret mitfinanzierten Buch, sagt Wulff über den von Groenewold mitfinanzierten Film „Das Wunder von Lengede“ (2003): „Ich finde es spannend zu sehen, wie die Menschen in diesem Land nach Vorbildern suchen. Es ist für mich kein Zufall, dass der in Niedersachsen entstandene Fernsehfilm ,Das Wunder von Lengede‘ so großartig angekommen ist (...) Die Menschen suchen nach Vorbildern, um der Probleme Herr zu werden.“

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Buch kam im Jahr 2006 heraus - und das war die Zeit, da David Groenewold kurze Gespräche oder freundlichen Smalltalk mit diesem Satz abzuschließen pflegte: „Ich sehe jetzt den Ministerpräsidenten. Soll ich etwas plazieren?“

          Er sitzt zu Hause, sagt er noch

          Solche oder vielleicht auch etwas ernstere Gespräche hätte man jetzt sehr gerne geführt mit David Groenewold, in dieser Woche, in der nicht nur die Geschichte mit der Sylter Hotelrechnung herauskam, welche David Groenewold für Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, und dessen künftige Frau Bettina Körner gezahlt hat (er habe, sagt Wulff, die Summe in bar zurückgezahlt) - es war ja auch die Woche, in welcher die Berlinale eröffnet wurde und das schicke Restaurant in der ehemaligen jüdischen Mädchenschule, und normalerweise wären beides Pflichttermine gewesen im Kalender des David Groenewold.

          Auf unsere Anfrage aber, ob man sich treffen und zwei, drei Fragen besprechen könne, antwortet Groenewold: Das gehe leider nicht. Und ungefragt fügt er hinzu, dass er zu Hause sitze. Und so wird an diesen Film- und Party-Abenden eben über Groenewold gesprochen, was den Vorteil hat, dass Groenewold nicht widersprechen kann: Dass er Helmut Dietls „Zettl“ nicht nur mitfinanziert, sondern auch inspiriert habe, dass also manches, was dieser fiktionale Hochstapler so an sich habe, bei Groenewold abgeschaut sei: Das gilt als allgemein bekannt. Dass er auch Karl Georg Ludwig inspiriert habe, den dubiosen Mann im Hintergrund, der die Fäden zieht und weiß, was zu tun ist, wenn der fiktionale Ministerpräsident sich einsam fühlt: Das ist die nächste Arbeitshypothese. Dass es ihm grade nicht so gut gehe: Das vermuten alle, die ihn kennen.

          Ein Mann, der Blumen und Anwälte schickt

          Und jene, die erst im Zuge der diversen, kaum noch überschaubaren Skandale um Christian Wulff von der Existenz dieses Mannes erfahren haben, fragen sich jetzt: Wer ist eigentlich dieser Groenewold, der so gerne Spesenrechnungen bezahlt?

          Er ist, zum Beispiel, ein Mann, der Blumen und Anwälte schickt, wenn ein Artikel über ihn erscheint, wie im September 2009 in dieser Zeitung: weil er die große Geste liebt, aber das eine oder andere ihm eben nicht gefiel, was im Zuge der Recherchen aufgetaucht war. David Groenewold ist ein Sohn aus gutem Hause: Abitur in Salem, Studium an der London School of Economics, Praktikant bei David Letterman in New York. 1997 gründete er seine erste eigene Firma, Promedium. 2001 wurde er Geschäftsführer der German Filmproduction GmbH (GFP), eines jener Medienfonds, die damals so beliebt waren und deren Einlagen, wenn sie nach Hollywood flossen, dort „stupid German money“ genannt wurden. Groenewold dagegen wollte deutsche Produktionen finanzieren, und es sah eine Weile so aus, als ob er ein begabter Geldsammler wäre.

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