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Datenschutz im Internet : Jetzt fallen die Masken

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Auch der zweite große Datenplatzhirsch und direkte Konkurrent im Online-Werbemarkt, Facebook, hat in Vorbereitung seines Börsengangs alle Scheu verloren. Wenn man in der englischen Version auf die „Privacy“-Seite klickt, lautet die Überschrift dort schon entlarvend „Data Use Policy“. Es geht nicht mehr um die Privatsphäre, sondern nur noch um die Datennutzung. In der Konkurrenz zwischen Google und Facebook wird die „Stickiness“ zum entscheidenden Faktor: Wie viele der Nutzer bleiben wie lange bei den Diensten kleben? Die Online-Universen von Google und Facebook zielen darauf ab, dass man sich nie mehr ausloggt. Jeder Klick online und mobil wird verfolgt, jede Handlung analysierbar. Es geht um den großen nächsten Schritt, von Suchmaschine und „sozialem Netzwerk“ zum allwissenden Lebenshelfer.

Zu viel Macht, zu viel Sicherheit

Nur wenn das Bild des Einzelnen immer vollständiger wird, wenn möglichst kein Aspekt des Lebens unbeachtet bleibt und jede digitale Lebensäußerung erfasst und analysiert werden kann, wird der Nutzer wirklich individuell vermarktbar. Die Vorhersagbarkeit von Handlungen ermöglicht die Plazierung von Werbung, die als wohlmeinende, intelligente Empfehlung des algorithmischen Beraters daherkommt. Apples Siri auf dem iPhone zeigt bereits, wohin die Reise geht. Google und Facebook sind hier noch auf technologischer Aufholjagd, aber sie verfügen über ungleich umfangreichere Datenbestände, insbesondere zu sozialen Kontakten, Interessen und Gewohnheiten.

Doch warum sind die Masken bezüglich der Datenverwertung gefallen? Sowohl Google als auch Facebook sind sich ihrer Sache mittlerweile vollkommen sicher. Sie gelten momentan als unentbehrlich, schlicht nicht mehr wegzudenken aus dem digitalen Alltag. Vergessen ist die Tatsache, dass es auch zuvor schon ein reiches soziales Leben im Netz gab.

Die Masse der Nutzer ist bereits eingefangen. Sich wieder zu lösen, wird schwerer und schwerer. Alternativen und Dienste ohne Datenerfassung fristen ein Nischendasein, und das ist gerade bei virtuellen sozialen Diensten selbstverstärkend. Dass die Nutzer woanders hingehen würden, wenn es ihnen zu bunt würde mit der Datenhortung, hat sich nicht bewahrheitet. Denn es gibt kein „woanders“, wenn die Freunde, Familie und Kollegen dort nicht sind.

Die meisten Nutzer haben ohnehin genug damit zu tun, ihr soziales Netz zu unterhalten und zu pflegen, ihre „Freunde“ zu managen. Schon ein zweiter Dienst führt schnell zu einer Entweder-oder-Entscheidung, wie kürzlich das deutsche StudiVZ lernen musste. Mit dem Siegeszug von Facebook wurden die früheren Nutzer dort schnell zu Karteileichen. Die entstandene Situation ist im Wirtschaftsleben keine unbekannte. Es handelt sich um ein Oligopol, das der tatkräftigen Regulierung bedürfte, nicht nur mit den stumpfen Mitteln des antiquierten Datenschutzrechts. Doch dafür fehlt derzeit offenbar der politische Wille.

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