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Amerikanische Talk-Show-Master : Jimmys und andere Schweine

Hat gut lachen: Trevor Noah ist der neue Stern am Late-Night-Himmel. Bild: AFP

Letterman ist weg, Leno ist weg, Stewart ist weg. Dafür ist jetzt Youtube da. In den amerikanischen Late-Night-Shows werden die Karten neu gemischt. Wer sind all diese Typen?

          5 Min.

          1. Trevor Noah

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Normalerweise, sagte Trevor Noah am Donnerstag zu Beginn seiner Show, würde er auf Ereignisse wie das Massaker an einem College in Oregon einfach aus dem Herzen reagieren, aber er hätte noch gar keine Zeit gehabt, zu fühlen oder zu denken, deshalb würde er jetzt einfach versuchen, die Leute wie geplant zum Lachen zu bringen. Es war eine kleine Kapitulation, die zeigte, wie groß die Erwartungen an einen Moderator der „Daily Show“ sind; wie der Job gewachsen ist mit seinem Vorgänger Jon Stewart, von einem Komiker beim Minisender Comedy Central zu einer wichtigen nationalen Stimme der Vernunft. Noah ist 31 und stammt aus Soweto, wo er, wie er bei seiner Premiere sagte, sich zwei Dinge nie erträumt hätte: eine Toilette im Haus und eine Stelle als Gastgeber der Comedy „Daily Show“. Er ist weit gekommen, aber die ersten Sendungen zeigten auch überdeutlich, dass er den fast noch größeren Weg vor sich hat: seine eigene Stimme und Rolle zu finden und eine Autorität zu werden. Eigentlich hat er sich zum Ziel gesetzt, den Kampf gegen den „Bullshit“ fortzusetzen, aber dann war als zweiter Gast eine Frau da, die eine Dating-App erfunden hat, und es wirkte wie ein Werbeblock. (nig)

          2. Jimmy Kimmel

          Er war einer der Ersten, die begriffen haben, wie man das Late-Night-Genre ins digitale Zeitalter übersetzt: mit Clips und Streichen für eine Generation, die sich auch für ihren comic relief nicht mehr eine ganze Stunde vor den Fernseher setzen will, sondern nur noch ein paar Minuten vor ihr Smartphone. Für „Jimmy Kimmel Live!“ (ABC) lässt er Menschen auf der Straße dumme Dinge sagen und Prominente böse Tweets vorlesen, und wenn ihm gar nichts mehr einfällt, macht er Kimmelwitze auf Kosten von Matt Damon (seit mittlerweile zehn Jahren). Er ist der fieseste aller Talkmaster, so schadenfroh, dass er Kinder filmt, wenn ihnen ihre Eltern gestehen, dass sie all ihre Süßigkeiten von Halloween aufgegessen haben. Aber vor allem war Jimmy Kimmel schon als Kind ein Fan von David Letterman. Er ist der Letzte, der vergisst, dass es bei einer guten Show auch immer ums Ganze geht. Auch dann, wenn man sie am Ende gnadenlos zerstückeln will. (stau)

          3. Stephen Colbert

          Was für eine abwegige Idee: den Platz der Late-Night-Legende David Letterman mit einem Mann besetzen, der als Kunstfigur bekannt wurde. Stephen Colbert hatte in einem Ableger der „Daily Show“ einen erzkonservativen, vage durch Bill O’Reilly inspirierten TV-Kommentator gespielt und auf diese Weise die Absurditäten der Fernsehwelt und der Politik parodiert. In der „Late Show“, die er seit knapp vier Wochen präsentiert, ist er aus dieser Rolle geschlüpft, hat aber ihre positive Energie erhalten. Seine Bemerkungen kommen nicht zynisch, sondern amüsiert und scheinbar naiv daher. Er schafft es erstaunlich perfekt, Formen der Kritik, wie sie die „Daily Show“ pflegt, mit klassischen Late-Night-Elementen zu kombinieren und eine Balance zu finden zwischen harmlosem Geplauder und ernstem Interesse, kann mit Außenminister John Kerry über den Atom-Deal mit Iran reden und mit Vizepräsident Joe Biden über den Tod seines Sohnes, ist schlau und schnell, relevant und amüsant. Seine „Late Show“ revolutioniert das Genre nicht. Sie pflegt die große Tradition und füllt sie mit neuem Schwung. (nig)

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