https://www.faz.net/-gqz-9r7gq
 

Verbot von Plastiktüten : Gute Jute!

  • -Aktualisiert am

Ab 2020 sollen Plastiktüten in Deutschland verboten werden. Bild: dpa

Das Bundesumweltministerium will die Plastiktüte verbieten. Es gibt dringendere Probleme. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen.

          2 Min.

          Die Plastiktüte im Einzelhandel soll abgeschafft werden, von 2020 an. Bravo, Bundesumweltministerium, für diesen auf historischer Kenntnis basierenden brillanten Einfall. Allen, die sagen, das gehe nicht, hältst Du entgegen: Es gab eine Welt vor der Einkaufstüte, und auch in ihr wurde eingekauft.

          Lenkst Du allerdings, Ministerium, mit Deiner Erinnerung an „Jute statt Plastik“ – das wurde erfunden, als man noch das Wort Slogan benutzte und breite Schulterpolster trug –, Behörde also, lenkst Du dadurch nicht zufällig ein bisschen von Deinem und des Landwirtschaftsministeriums Nitrat-Problem ab, von, dings, na, sag schon, ich komm gleich drauf, ja: angedrohten EU-Strafzahlungen in Höhe von 850.000 Euro pro Tag für den Fall, dass die deutsche Ausbringungssauerei nicht aufhört, die sich angeblich nicht mal an die deutsche existierende Obergrenze hält?

          Eine schöne Idee

          Das Bienensterben und die Pestizide wollen wir hier gar nicht erst erwähnen. Und sind wir Deutschen nicht auch die Letzten in ganz Europa, die keine durchgehende Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen einführen möchten, weil Raserei, wie „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt unlängst nachgewiesen hat, zum kernbürgerlichen Verhaltensspektrum gehört?

          Man hört ja, das alles sei viel problematischer als die Plastiktüte und die Reform der Müllentsorgung wäre hilfreicher als das Verbot. Aber das mit der Abschaffung ist natürlich trotzdem eine ganz, ganz schöne Idee. Irgendwo muss man ja mal anfangen. Frank Thelen aus der „Höhle der Löwen“ sagt, früher hätten wir Burger (Ham-Burger) noch in Styroporschachteln ausgegeben, das hätten wir doch auch überwunden.

          Ja, das war in der Fast-Food-Steinzeit, der mit den Schulterpolstern und Slogans und der Ölkrise, Ende zwanzigstes Jahrhundert. Frank „Der Gründer“ Thelen würde die Plastiktüte wahrscheinlich eine „Brückentechnologie“ zwischen damals und morgen nennen, so wie das Fliegen. Vielleicht hat er unter seinen vielen genialen „Fang-An’s“ auch eines, das gerade eine Jutebeutel-App baut, die einem zeigt, wo in der Stadt oder auf dem Dorf gerade das nächste ungenutzte Sackerl in einer Beutel-Station hängt.

          Im Herbst werden wir noch an Thelen denken, wenn wir unseren ohne Styropor kalt gewordenen Burger aus der Pappschachtel nehmen und unsere übrigen vom Regen durchweichten überflüssigen Konsumgüter aus dem Sack ziehen, Bücher etwa. Und auf das Ministerium fluchen. Aber warte kurz, ich habe noch einen Regenschirm, kann man aufspannen, bleibt man so was von trocken drunter. Hat außerdem den Vorteil, dass man dann nur noch eine Hand für die Beutel frei hat: weniger Konsum (in Kilo), besser für die Umwelt. Auch so eine Brückentechnologie, bis es klimawandelhalber endlich weniger regnet.

          Weitere Themen

          Travolta verdreht Fans den Kopf Video-Seite öffnen

          Roter Teppich : Travolta verdreht Fans den Kopf

          Bei seinem Auftritt auf dem roten Teppich in Rom verdreht Hollywood-Star John Travolta den Fans den Kopf: Der 65-jährige Schauspieler stellt seinen neusten Film „The Fanatic“ vor und gesteht dabei, was ihn selbst zum Fanatiker macht.

          Topmeldungen

          Debatte ums Eintrittsalter : Die große Renten-Frage

          Wie lange müssen wir künftig arbeiten? Bis 69, empfiehlt die Bundesbank, und löst damit viel Widerspruch aus. Worauf es ankommt, wenn das Rentensystem wieder ins Lot kommen soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.