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Neue Sprachdiktate : Reden Sie nie mehr vom „master bedroom“!

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So, und wie nennen wir das jetzt? Der „master bedroom“ des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway (1899 - 1961) in seinem Haus in Havanna. Bild: AP

Das Sprachdiktat des vermeintlichen Antirassismus treibt immer neue Blüten. Jetzt steht der Begriff „master bedroom“ auf der schwarzen Liste. Und die „schwarze Liste“ geht selbstverständlich auch nicht.

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          Immobilienmakler haben denselben Hang zur Beschönigung wie die Reiseindustrie. In überschwänglicher Prosa wird die bescheidenste Klitsche als Luxus angepriesen. „Kompakt“ ist ein Beiwort für winzig. Unter „charaktervoll“ ist oft alt und vergammelt zu verstehen. „Gut gelegen“ kann bedeuten, dass das Haus oder Hotel an die Autobahn grenzt, und „immenses Potential“ dient als Euphemismus für abbruchreif.

          Britische Makler haben denn auch längst aus Amerika den dort gängigen Begriff „master bedroom“ übernommen, um das größte Schlafzimmer eines Hauses zu kennzeichnen. Damit wollen sie Pracht, Geräumigkeit und Status suggerieren, auch wenn es sich um eine winzige Bude handelt, in die mit Müh und Not ein schmales Doppelbett hineingequetscht werden könnte, ohne dass noch Platz für einen Nachttisch wäre.

          Jetzt wird der Begriff des „master bedroom“ angefochten, aber nicht wegen seiner Prätention, sondern weil das Wort „master“ durch hierarchische, rassistische und sexistische Bezüge belastet sei. Dass die Computerbranche im Zusammenhang mit der Datenübertragung auf die „master-slave“-Terminologie verzichten will, ist zu begrüßen. Die Versuche jedoch, das von „Magister“ kommende, lange vor der Sklaverei geläufige Wort und verwandte Begriffe aus jedem Kontext zu verbannen, schmecken nach jener sprachpolitischen Manipulation, die George Orwell in seinem dystopischen Roman „1984“ angeprangert hat.

          Dem heutigen Neusprech-Diktat zufolge sind alte Meister ebenso fragwürdig wie „master bedroom“, nicht nur wegen der Assoziationen mit der Sklaverei, die manche amerikanische Universitäten schon vor einigen Jahren veranlasst haben, ihre „house masters“, die Vorsteher der einzelnen den Colleges von Oxford und Cambridge ähnelnden Häuser, umzubenennen.

          Es wird auch bemängelt, dass „master“ Männlichkeit und Hierarchie impliziere, wie Frances Morris, die Leiterin von Tate Modern, zu erkennen gab, als sie sagte, ihr missfalle die Anwendung des Begriffes als Zeichen von Hochachtung. Dabei ist das seit Jahrhunderten als Auszeichnung für Leistung und Kompetenz etablierte Wort heute geschlechtslos – man denke an den akademischen Grad Master, der nicht einmal zwischen männlich und weiblich unterscheidet, wie es etwa bei „actor“ und „actress“ der Fall ist. In genauer Umkehrung neuerer deutscher „geschlechtergerechter“ Sprachregelung steht „actress“ in England mittlerweile auf der schwarzen Liste. Wobei auch diese als Begriff in Frage gestellt wird, weil die negative Konnotation von „schwarz“ bestehende gesellschaftliche Abqualifizierungen bekräftigen könne.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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