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Berlinale : Das Notstandsfestival

  • -Aktualisiert am

Früher war mehr Gedränge – die Berlinale in den Zeiten der Pandemie. Bild: Getty

Weniger Filme, halb leere Säle, strenge Coronaregeln, aber ein ausgeprägter Wille zur Selbstbehauptung und ein Überraschungssieger aus Spanien.

          8 Min.

          Lob der Unruhe

          Filmgroßmächte Schweiz und Österreich in der Sektion Encounters

          Als Carlo Chatrian 2020 seine erste Berlinale programmierte, da ging er gleich einmal in die Offensive: Er startete eine neue Sektion namens Encounters, einen zweiten, kleinen, künstlerisch interessanteren Wettbewerb. Nach den Jahren, in denen Dieter Kosslick das Festival immer stärker aufgebläht hatte, schien das auf den ersten Blick nicht unbedingt einleuchtend. Doch schon 2020 erwies sich, was sich nun zwei Jahre später bestätigte: Es gibt tatsächlich einen gewissen Typus von Filmen, die in Encounters am besten aufgehoben sind, ohne dass deswegen das Panorama oder das Forum verarmt wäre.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In diesem Jahr gab es in allen Reihen viel zu entdecken (Annika Pinske, Michael Borodin oder Rafiki Fariala im Panorama, Tyler Taormina oder Jerónimo Rodríguez im Forum). Encounters aber hatte das Glück, drei wegweisende Filme präsentieren zu können: „Unrueh“ von Cyril Schäublin aus der Schweiz sowie die beiden österreichischen Beiträge „Sonne“ von Kurdwin Ayub und „Mutzenbacher“ von Ruth Beckermann. Dass in der Encounters-Jury, die allen dreien auch Preise verlieh (der Hauptpreis in der Sektion ging an „Mutzenbacher“), eine Vertreterin des cinephilen Streamingdienstes Mubi saß, wird man als Indiz für ein neues Kräfteverhältnis im Weltkino nehmen dürfen, aber gerade bei Mubi wird sich auch erst zeigen müssen, wie sie dort als aufstrebender globaler Faktor die Balance zwischen Kinoauswertung und Streaming selbst gestalten wollen.

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