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Das neue Jahrzehnt : Danke, wir verzichten

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Rohkost heißt die Devise Bild: Kat Menschik

So, wie es war, geht es nicht weiter. Zumindest das hat uns der Klimagipfel von Kopenhagen, pünktlich zum Ausklang der sogenannten Nullerjahre, gezeigt. Und wie geht es stattdessen weiter in dem Jahrzehnt, das in der Nacht zum Freitag beginnt? Die F.A.S. blickt nach vorne.

          So, wie es war, geht es nicht weiter. Zumindest das hat uns der Klimagipfel von Kopenhagen, pünktlich zum Ausklang der sogenannten Nullerjahre, gezeigt. Und wie geht es stattdessen weiter in dem Jahrzehnt, das in der Nacht zum Freitag beginnt?

          Auch das ist in Kopenhagen nun leider unangenehm deutlich geworden: Unsere Politiker werden die Erde sicher nicht retten. Das müssen wir schon selbst erledigen. Wir werden uns erheblich einschränken müssen, sagen die Experten. Das Stichwort, unter dem die nächsten Jahre stehen, lautet aller Voraussicht nach: Verzicht.

          1. Wachstum

          Die Zeit, als Wachstum noch geholfen hat, ist lange vorbei, bildet aber gerade deshalb heute mehr denn je den Sehnsuchtsort des Politischen: Der letzte Augenblick, in dem die Leitideen der westlichen Kultur - Wachstum, Fortschritt, Wettbewerb, Entwicklung, Wohlstand - noch mit der Wirklichkeit übereinstimmten, war 1989. Danach ist dem Westen die Zukunft abhandengekommen. Wie schön hätte damals alles werden sollen, nach dem Ende der Geschichte und dem Sieg des Westens, endlich angekommen in der besten aller Welten, dem finalen System des Wachstums und der immerwährenden Wohlstandsmehrung.

          So schön ist die Vanitas

          Aber die Staaten der Welt bilden ein Gefüge wechselseitiger Abhängigkeiten, und da war es naiv zu glauben, die eigene Position bliebe dieselbe, wenn eine komplette politische und wirtschaftliche Hemisphäre verschwindet. Flugs hatte man die osteuropäischen Länder zu Transformationsgesellschaften erklärt und übersehen, dass man selber Teil einer großen Transformation geworden war. Im Blick auf die gigantischen Absatzmärkte, die sich im Osten auftaten, und all die schönen Möglichkeiten zur Verbreitung von Demokratie und Marktwirtschaft übersah man allzu gern, dass sich auch andernorts Revolutionen vollzogen. Staaten stiegen mit einer Geschwindigkeit auf, die man zuvor für unmöglich gehalten hatte, und sie etablierten neue Formen der Staatlichkeit: Kapitalismus geht, wie das chinesische Beispiel zeigt, auch ohne Demokratie, und wie! Und aus Russland wurde in einer Kombination aus Reichtum an fossilen Energien und routiniertem Autoritarismus ein postkommunistisches Großscheichtum, mit dem in dieser Form auch niemand gerechnet hätte.

          Das alles heißt Globalisierung und funktioniert nach der Formel, dass relativer Machtzuwachs auf der einen Seite relativen Machtverlust auf der anderen bedeutet, und das gilt wirtschaftlich, klimapolitisch, geostrategisch genauso wie hinsichtlich der Frage, welches System denn langfristig das Erfolgsmodell in Zeiten wachsender Bevölkerungen, schwindender Ressourcen und gigantischer ökologischer Probleme darstellen wird.

          Was hat der Westen zu all dem zu sagen? So etwas wie: „Wir werden es der Wirklichkeit schon zeigen!“, nämlich mit einer illusionären Politik, die souverän ignoriert, dass man in jeder Hinsicht über die Verhältnisse seiner Bewältigungsmöglichkeiten lebt. Als Problemlösung anzubieten hat man nur das, was die Probleme erzeugt hat: Wachstum. Aber das schafft, wie mehr als dreißig Jahre Massenarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik bei kontinuierlichem Wirtschaftswachstum zeigen, weder Arbeitsplätze, noch beseitigt es im weltweiten Maßstab die Armut. Und um allein die Kosten des bizarren Wachstumsbeschleunigungsgesetzes zu kompensieren, wäre ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent nötig, die reine Fiktion.

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