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Das Krisen-Ensemble : Stellt endlich die Systemfrage!

  • -Aktualisiert am

Frankfurt, letzte Woche. Die Finanzbranche ist sehr empfindlich und realitätsfern, hat es aber geschafft, als Produzent von Realität zu gelten Bild: dapd

Brüssel, Durban, Klima, Geld: Probleme werden auf Krisengipfeln breitgetreten, aber nicht gelöst. Wer den Ärger angerichtet hat, muss sich dort nicht stellen. Wie lange noch?

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          Das Veto der britischen Regierung und die Absage der griechischen Volksabstimmung sind zwei Seiten derselben Münze. Geprägt und spendiert hat sie die internationale Finanzdienstleistungsbranche, klingend kommt sie auf die Konferenztische, dann werden selbst politische Profis schwach.

          David Cameron hat allerdings auch nicht allzu heftigen Widerstand geleistet. Seine Volkswirtschaft kann nur noch mit dem Geldhandel Geld verdienen, die jahrzehntelange Deindustrialisierungspolitik dort hat nur noch die sauberen und gewerkschaftsfreien Branchen übrig gelassen.

          Schon der zart geäußerte Wille einer Finanzmarktregulierung, schon der Sarkozy-Spruch, die Finanztransaktionssteuer sei „moralisch zwingend“, war für die britische Regierung nicht zum Aushalten - und es wäre mit einer New-Labour-Regierung übrigens kaum anders gewesen.

          Cityboys und Citygirls

          Die Abkehr vom Generationenprojekt der europäischen Integration scheint dem britischen Premier leichter zu fallen als die Besteuerung der Geschäfte seiner Papiergeldhelden in der Londoner City um auch nur den Bruchteil eines Prozents. Oder das Reden über so eine Steuer oder überhaupt über ein anderes Thema, außer darüber, wie Staaten und Gesellschaften funktionieren müssen, damit die Cityboys und Citygirls aus viel Geld noch mehr machen können.

          Es ist ja eine sehr empfindliche, eigentlich neurotische und realitätsferne Branche, die es dennoch geschafft hat, als Produzent von Rationalität wahrgenommen zu werden. So sagte die Kanzlerin in echter Selbstkritik zu Beginn des Brüsseler Gipfels, es müssten dort Mechanismen vereinbart werden, weil „man unseren Worten nicht mehr glaubt“. Als wären die Regierungen Alkoholiker, die sich um einen Job im Likörladen bewerben. Es ist zu viel der protestantischen Introspektion und Besserungsbemühung.

          Wie wäre es denn, Angela Merkel würde daran erinnern, welche Papiere und Banken die großen vier Ratingagenturen bis kurz vor Crash mit der Bestnote ausgezeichnet haben?

          Kein Verkäufer von Schrottkrediten für Billighäuser musste mit weniger als drei Mal „A“ zum Kunden gehen. Kurz vor ihrem komatösen Herabsinken in die Arme des Steuerzahlers freute sich Lehman Brothers - und auch die drei berüchtigten isländischen Banken - über Bestnoten. Und die Freude war ganz gegenseitig, denn das Aufpumpen der Blasen ist für Ratingagenturen ein überaus lohnendes Geschäft: In den Jahren von 2000 bis 2007 konnte allein die Firma Moody’s ihre Gewinne vervierfachen. Es galt das Sesamstraßenprinzip: Je öfter die den Buchstaben A malten, desto mehr Kekse gab es.

          Das Verdienst von „Inside Job“

          Welchen Worten oder Buchstaben soll man also misstrauen? Leider hilft uns die Wissenschaft hier wenig, denn die Verflechtungen zwischen den Wirtschaftswissenschaften und den Banken sind eng und untergraben den Anspruch einer unabhängigen Forschung. Es ist das Verdienst des oscarprämierten Dokumentarfilms „Inside Job“ von Charles Ferguson, solche Zusammenhänge und Fakten in Erinnerung zu rufen, in Deutschland auf DVD und über iTunes erhältlich.

          Ein Occupy-Aktivist unterbrach jüngst Josef Ackermann. Es war das erste Mal, dass der Bankchef eine solche Situation offenen Widerspruchs erlebte

          Plötzlich weiß man ja auch wieder, dass die Staatsschuldenkrise nicht auf unfähige Beamte, nicht auf die mangelnde Effektivität des Staates zurückgeht, sondern ganz im Gegenteil auf die Reibungslosigkeit, mit der die Parlamente aller Länder für Schulden votiert haben, die direkt der Finanzindustrie zugutekamen, als sich die Superhirne dort verzockt hatten.

          Bis heute wurden die Verursacher der Krise weder rechtlich noch finanziell zur Verantwortung gezogen. Stattdessen müssen europäische Rentner, Studenten und Arbeitslose öffentliche Sparprogramme ertragen, die ihnen Regierungen aus sogenannten Fachleuten geschrieben haben.

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