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Sayner Hütte : Wo Krupp Erz und Erholung findet

1830 entwarf der „Baucondusteur“ Carl Ludwig Althans die Halle – kein Architekt, sondern ein Mechaniker und Mathematiker. Bild: Sayner Hütte/Thomas Naethe

Die Gießhalle der Sayner Hütte ist ein Musterbeispiel früher Industriearchitektur. Nun wurde sie endlich restauriert. Die erste Ausstellung beleuchtet die Bedeutung des Ortes für den aufstrebenden Konzern.

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          Der Aufstieg der Firma Fried. Krupp zum größten deutschen Unternehmen fand nicht nur im Ruhrgebiet statt. Ja, er wäre den beiden Alleininhabern, Alfred Krupp (1812 bis 1887) und seinem Sohn Friedrich Alfred Krupp (1854 bis 1902), nicht gelungen ohne einen kleinen, in einem Seitental gelegenen Ort am Mittelrhein, wo in der ersten Phase der Expansion, Anfang der 1860er Jahre, im Zuge einer „Rückwärtsintegration“ Rohstoffe, vor allem Eisenerz, in hoher, beständiger Qualität gefördert und produziert wurden. Für das Stammwerk, die Gussstahlfabrik in Essen, waren die Lieferungen aus Sayn, so stellt es der Industriepionier rückblickend dar, überlebenswichtig: „Ich sah die Fabrik als verloren an, wenn wir die Gruben und Hütte nicht bekamen“, notiert Alfred Krupp in seinem „Memorandum“ am 27. Dezember 1884.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Erworben hatte Krupp die Sayner Hütte, zusammen mit der Mülhofener Hütte am Rhein, dem Oberhammer im Sayntal und drei Gruben im Westerwald, 1865 vom Könglich Preußischen Bergfiskus. Im Jahr zuvor hatte er die Zeche Graf Beust in Essen gepachtet und Erzgrubenfelder an der Lahn gekauft und damit einen Strategiewechsel eingeleitet, der ihm die vorgelagerten Produktionsschritte sicherte. Auch um die Sayner Hütte hatte er sich bereits 1864 bemüht, doch die schwierigen Verhandlungen führten erst zum Erfolg, als er den Bochumer Verein für Bergbau ausgestochen, fünfhunderttausend Taler mehr geboten und die Unterstützung Otto von Bismarcks beansprucht hatte. 1870 kam die Bendorfer Hütte mit der Grube Werner/Vierwinde, 1871 die Hermannshütte in Neuwied, 1872 die Bleul'sche Maschinenfabrik in Sayn dazu: Um 1875 arbeiteten neun Prozent der Krupp-Belegschaft am Mittelrhein und im Westerwald.

          Sommerfrische, Jagd und Produktion

          Dieses entlegene Kapitel der Industriegeschichte ist Thema einer Ausstellung, die der vor hundertfünfzig Jahren begonnenen Verbindung an ihrem Schauplatz nachgeht: „Krupp und Sayn“. Lange gehalten hat die Beziehung nicht: 1878 wird der Hochofen ausgeblasen und die Gießerei vergrößert, 1908 daneben eine Backsteinhalle für die Maschinenbaufabrik errichtet, 1926 die Sayner Hütte stillgelegt und an die Gemeinde verkauft. Doch während Alfred Krupp wohl nur einmal den Weg hierhin findet (und dafür den Werksfotografen Hugo van Werden schickt), wird Sayn für den Sohn zum Refugium: 1884 pachtet er in der Nähe eine Jagd, 1886 erwirbt er Schloss Sayneck und baut es aus, um sich mit seiner Frau hierher zurückzuziehen, die Ferien zu verbringen und Freunde, leitende Mitarbeiter und Geschäftspartner zu treffen. Über vier Generationen, bis zum Tod von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach 1967, kommt die Familie in dem Fachwerkhaus zusammen, das, beschaulich und behaglich, sie von den repräsentativen Zwängen der Villa Hügel befreit.

          Einen Eindruck davon rekonstruiert die erste Station der Ausstellung: Angeregt vom Herrenzimmer auf Schloss Sayneck, verschneidet das Groß-Diorama mit Mobiliar und Artefakten aus der Villa Hügel die Kruppschen Lebenswelten der Sommerfrische, Jagd und Produktion. Der von Ingo Bracke inszenierte Parcours führt über den freigelegten mittleren Hüttenplatz und die Gießhalle in deren Neben- und Kellerräume, wo Installationen die Arbeitsvorgänge und Arbeitsklänge des Ortes assoziativ reflektieren. In der Basilika baumeln Fotografien der Krupp’schen Belegschaft, die Gesichter sind von Arbeit gezeichnet. Der große Raum ist sparsam bespielt: Der Kanonenkönig posiert als Denkmal, hier gegossene Produkte von der schweren Feldhaubitze über eine Registrierkasse bis zu Vasen und Ziergegenständen werden gezeigt. In der Krupphalle parkt ein dreiachsiger AK 360 und erinnert, auf Hochglanz poliert, daran, dass Krupp auch Lastwagen gebaut hat.

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