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Habermas’ 1700-Seiten-Werk : Der Pfahl im Fleisch der Moderne

Habermas im Juli 2018 in Berlin Bild: dpa

Das große Alterswerk des Philosophen Jürgen Habermas liegt vor: Eine immens belesene Abhandlung über die Frage, wie viel vom Glauben in Wissen überführt werden kann – und bereits überführt worden ist.

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          Vor grauen Jahren lebt’ ein Mann im Osten / Der einen Ring von unschätzbarem Wert / Aus lieber Hand besaß.“ Die Ringparabel in Lessings „Nathan der Weise“ erzählt von einem Vater, der es nicht über sich bringt, jenen Ring nur einem seiner drei Söhne zu vererben. Also lässt er täuschende Repliken anfertigen, vermutlich sogar drei, weshalb keiner der Söhne den echten Ring zeigen kann, um sich als „Fürst des Hauses“ hervorzutun. Sultan Saladin, dem der Jude Nathan dieses Gleichnis dafür vorträgt, auch zwischen Muslimen, Juden und Christen sei der rechte Glaube unerweislich, protestiert. Denn die Religionen seien doch wohl zu unterscheiden. Nur äußerlich, meint Nathan, aber nicht „von seiten ihrer Gründe“, die allesamt auf dem Glauben an Überlieferungen beruhten. Einer sei so gut wie der andere.

          Was ändert sich an dieser Geschichte, wenn man einen vierten Erben einführt? Nennen wir ihn Jürgen Habermas. Wenn man also nicht nur drei Anhänger einer Weltreligion über den richtigen Glauben streiten lässt, sondern auch noch einen, der den richtigen Unglauben vertritt?

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