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Kunst für Trump : Goldiges Örtchen

  • -Aktualisiert am

Das Publikum des Guggenheim Museums liebte „America“: Maurizio Cattelans Kunstwerk. Bild: AP

Donald Trump wollte vom Guggenheim-Museum einen van Gogh als Leihgabe, doch die Kuratorin Nancy Spector bietet ihm einen goldenen Lokus von Maurizio Cattelan an. Damit beweist sie gutes Gespür.

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          Um den Amtssitz des amerikanischen Präsidenten mit breit akzeptierter Kunst aufzuwerten, fragte das Weiße Haus beim New Yorker Guggenheim Museum das Gemälde „Landschaft im Schnee“ von Vincent van Gogh an. Das Museum lehnte aus konservatorischen Gründen ab, bot als Ersatz aber eine massiv goldene, voll funktionsfähige und vorgeblich sozialkritische Toilette des Installationskünstlers Maurizio Cattelan an.

          Das Klo in der Kunst würde in Form des achtzehnkarätigen Örtchens des italienischen Künstlers – bekannt vor allem durch seine Skulptur des Papstes, den ein Komet niedergestreckt hat – weiter durch die Welt wandern.

          In seinem ersten Leben im Guggenheim war Cattelans goldenes Klo eine platte Aneignung eines frühen Readymade der Kunstgeschichte, Marcel Duchamps Pissoir. Der französische Konzeptkünstler hatte 1917 ein handelsübliches Urinal aus dem Sanitärgeschäft mit dem Titel „Fountain“ zum Kunstwerk erhoben und unweit des heutigen Guggenheim ausgestellt. Selbst Anrüchiges, so zeigte Duchamp damit bündig, wird – auch merkantil – vergoldet, wenn es mit Ausstellungs- oder Museumsweihen versehen wird.

          Bei Cattelans goldenem Guggenheim-Klosett hingegen verpuffte jeder sozialkritische Anspruch – das „America“ betitelte Werk spielt dem Künstler zufolge auf Exzesse im Kunstmarkt an. In dieser glitzernden Schatzkammer der Moderne auch noch ein goldglänzendes Klo zu installieren war nichts weniger als affirmativ – als neigten nicht die Paris Hiltons dieser Stadt ohnehin zu geschmacklichen Exzessen und als könnte man sich in ihren Penthäusern nicht mühelos goldene Waschbecken oder seidenes Klopapier vorstellen.

          Dieser Widerspruch wird der Guggenheim-Chefkuratorin Nancy Spector bewusst gewesen sein, als sie mit sicherem Gespür das Kunstwerk für Trump vorschlug. Wird doch das Weiße Haus aktuell von einem Selfmade-Millionär bespielt, der mittels seiner Genialität nach eigener Aussage aus Dreck Geld zu machen versteht. Die Kuratorin wird damit wie Duchamp 1917 zur Umdeuterin eines Readymades: Man sieht sogleich den sich wie ein „Kaiser von Amerika“ Gerierenden auf gleichnamigem Werk thronen. Es könnte das ikonische Zeichen einer präsidialen Herrschaft werden, die einzig auf den hohlen Glanz von Schaueffekten setzt.

          Dieses Danaergeschenk wäre damit derart affirmativ, dass es vor aller Welt die Hoffart des Herrschers subversiv entlarven würde. Und was, wenn Trump die Museumsleihgabe annehmen und sie zum Ort seiner per Twitter in die Welt getragenen Regierungsgeschäfte küren würde? Das Örtchen hätte dann seinen gültigen Ort gefunden. Und Trump seinen Orson-Welles-haften „Rosebud“-Schlitten, den er nur noch signieren müsste.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

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