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Architektur : Tut nicht so grün, es bleibt Konsumkapitalismus

  • -Aktualisiert am

Als verzichtbar wurde, was man unter „Struktur“ versteht: das Bauhaus-Viertel in Tel Aviv, heute Welterbe der Unesco. Bild: Picture-Alliance

Das „Europäische Bauhaus“ will die Städte umweltfreundlicher machen. Leider ist der zyklische Ansatz völlig falsch gewählt. Wir brauchen einen viel grundlegenderen Neuanfang. Ein Gastbeitrag.

          9 Min.

          Auf die Zukunft bauen“ will die Bundesarchitektenkammer und dafür sorgen, „dass die gebaute Umwelt dem gesellschaftlichen Wandel gerecht werden kann“. Das soll gelingen mit einem „Europäischen Bauhaus“, das die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ins Gespräch gebracht hat und das von der Bundesarchitektenkammer „geradezu enthusiastisch“ begrüßt wurde. Eine europaweite Umbaukultur, ein Systemwandel steht ins Haus.

          Dabei scheint man zu vergessen, dass nicht nur die Architekten vor einem gesellschaftlichen Wandel stehen, sondern dass die Menschen einer hinreichenden Kontinuität bedürfen bei allem Trubel, der um sie herum passiert. Heute, wo sich alles ohne ihr Zutun verändert und unser Beruf Mühe hat, den technischen „Innovationen“, getrieben von ökonomischen Ambitionen, zu folgen, ist doch die große Herausforderung für den Architekten mehr denn je, dem Menschen das Gefühl zu geben, gut aufgehoben zu sein in seinem Haus, seinem Dorf, seiner Stadt. „Zukunft“ ist zu einer Marketingstrategie verkommen, die auf Verdummung aus ist. Muss man immer dabei sein, wenn die allerneuesten „Visionen“ in die Welt gesetzt werden von Leuten, deren Leben von den Auswirkungen unberührt bleibt? Wer legt denn Wert darauf, seinen Herd mit dem iPhone einzuschalten, wenn er sich nach einem arbeitsreichen Tag auf den Heimweg begibt? Wer würde freiwillig Fenster einbauen, die man nicht mehr öffnen kann, und sein Wohnzimmer mit Lüftungslöchern perforieren?

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