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Deutsches Romantik-Museum : Schein des Unendlichen

Auf der Himmelsleiter steigt der Betrachter zur blauen Blume: Blick ins Treppenhaus des Frankfurter Romantik-Museums. Bild: Maximilian von Lachner

Vor zehn Jahren hat das Freie Deutsche Hochstift den Plan für die Gründung eines Deutschen Romantik-Museums gefasst. Am 14. September wird es in Frankfurt eröffnet. Wir durften schon einen Blick hineinwerfen.

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          In einem wie aus Klaviersaiten gespannten Zelt aus Drähten findet sich eine der kostbarsten Neuerwerbungen der Sammlung aus der jüngeren Zeit, die jetzt im neuen Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt zu sehen ist: Es sind die Skizzen von Robert Schumanns Goethe-Vertonung, die das Freie deutsche Hochstift durch einen Glücksfall 2018 ersteigern konnte. Der Komponist und Buchhändlersohn, der lange Zeit selbst mit dem Gedanken spielte, Dichter zu werden, war früh mit den Romantikern in Berührung gekommen, hatte Schlegel, Tieck und Jean Paul gelesen, und seine Eichendorff- und Heine-Vertonungen gehören zum Schönsten, was die Liedkomposition hervorgebracht hat. Die Beschäftigung mit Goethe aber war lebenslang und gipfelte in den 1853 fertigstellten „Szenen aus Goethes Faust“, die in ihrer kühn offenen Form ihrer Zeit weit voraus waren.

          Ein museales Juwel

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Umso schöner ist es, dass Teile der „Faust“-Skizzen nun aus dem auf achtzehn Grad heruntergekühlten Keller des Hochstifts hervorgeholt und in das neue Museums verbracht wurden. Denn tatsächlich bekamen das Konvolut aus Skizzen, Klavierauszügen und Particellen bislang nur wenige Menschen überhaupt zu Gesicht, da es sich immer in Privatbesitz befand. Die Notate Schumanns finden sich in der multimedialen Ausstellungsstation im obersten Stockwerk des Museums und werden von weiteren akustischen, optischen und schriftlichen Erläuterungen umspielt, die buchstäblich alle Sinne ansprechen. Nach fast zehn Jahren der Vorbereitung, Bauphase und vielen Unwägbarkeiten eröffnet das neue Museum am 14. September endlich seine Pforten. Ein erster Rundgang lässt schon jetzt erkennen, dass Architektur, Szenographie und filigranste Ausstellungstücke hier aufs Schönste miteinander korrespondieren. Frankfurt hat ein neues museales Juwel.

          Im Heiligtum der Worte: Die neue Ausstellung stellt die Schrift in den Mittelpunkt.
          Im Heiligtum der Worte: Die neue Ausstellung stellt die Schrift in den Mittelpunkt. : Bild: Maximilian von Lachner

          Grundlage für die Dauerausstellung ist die Sammlung insbesondere zur Literatur der deutschen Romantik, die das Freie Deutsche Hochstift und Träger des Frankfurter Goethe-Hauses seit über hundert Jahren zusammengetragen hat. Lange Zeit ruhte der Schatz aus Gemälden, Handschriften und Reliquien in Archivkartons im Gewölbe des Frankfurter Großen Hirschgrabens 23, dort, wo am 28. August 1749 Goethe auf die Welt kam und die ersten Lebensjahre verbrachte. Der Plan der Hochstift-Leiterin Anne Bohnenkamp, in direkter Nachbarschaft zum freilich historisierenden Nachbau aus den fünfziger Jahren einen Erinnerungsort der Romantik zu errichten, war so mutig wie visionär. Ein solches Museum gab es bislang nicht in Deutschland, und das obwohl im Ausland die Epoche so sehr mit diesem Land assoziiert wird wie sonst nur Richard Wagner oder die Kuckucksuhr.

          Als durch den Wegzug des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels das Nachbargebäude frei wurde, erkannte Anne Bohnenkamp die Gunst der Stunde und setzte ihren Plan ins Werk. Ganz in der Nähe des Anwesens der Familie Gontard, bei der sich der junge Hölderlin als Hauslehrer so unglücklich verliebte und sich später bis zum Abriss ein hässlicher Zweckbau befand, hat Christoph Mäckler ein dreigliedriges Gebäude entworfen, dessen Gelb- und Sandsteintöne das Farbspektrum des benachbarten Goethehauses aufnimmt. Auf drei Stockwerken umfasst das Haus eine Ausstellungsfläche von 1200 Quadratmetern. Das Foyer, das zugleich den neuen Eingangsbereich für das Goethe-Haus darstellt, lebt von der Transparenz, ja dem optischen Drang ins Offene. Ein großes Panorama-Fenster gibt den Blick frei in den neu gestalteten romantischen Garten, während zum Goethe-Haus hin die vermutlich noch aus der Barockzeit stammende Brandmauer in die Sichtbarkeit gerückt wurde, die, anders als das Gebäude selbst, den Krieg überdauert hat. In den Boden eingelassen ist mithin die zerstörte Frankfurter Altstadt in Form jener Bruchsteine, die aus den Trümmern der zerstörten Stadt nach 1945 fabriziert wurden und die Mäckler zwischen die Ziegelsteine einlegen ließ.

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