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Daryl Hannah : Es ist ein Vergnügen, böse zu sein

  • Aktualisiert am

Daryl Hannah bei der Premiere von „Kill Bill 2” Bild: AP

Daryl Hannah hat eigentlich immer drei, vier Filme gedreht pro Jahr - und trotzdem ist „Kill Bill“ fast ein Comeback für sie. Ein Interview mit ihr über die guten Rollen und das gute Leben jenseits des vierzigsten Geburtstags.

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          Ein bißchen irre, nicht ganz von dieser Welt war sie schon damals, in den frühen achtziger Jahren, als ihre Schauspielkarriere begann. Sie spielte eine Replikantin im "Blade Runner" und eine Meerjungfrau in "Splash", und daß sich nicht besonders viel geändert hat, das bewies sie in der vergangenen Woche, als sie, bei der deutschen Premiere von Quentin Tarantinos "Kill Bill, Vol. 2", so fies in alle Kameras guckte, als wäre die Killerin Elle Driver keine Rolle gewesen, sondern bloß ihre wahre Natur. Daryl Hannah ist 43 Jahre alt, sie hat eigentlich immer drei, vier Filme gedreht pro Jahr - und trotzdem ist "Kill Bill" fast ein Comeback. Tarantino hat sie zurück ins Zentrum des Betriebs geholt.

          Mrs. Hannah, Sie mußten, um sich auf Ihre Rolle in "Kill Bill" vorzubereiten, lauter kindische Dinge tun. Sie haben sich Kung-Fu-Filme und schwedische Pornos angeguckt, Sie haben sich mit Comics beschäftigt. Würden Sie so etwas auch zu Ihrem eigenen Vergnügen tun?

          Es ist ein Vergnügen, wenn Quentin Tarantino dabei ist. Mit ihm ist es wie Filmhochschule. Er weiß alles über diese Filme, ich glaube, er kennt jeden Film, der je gemacht wurde, und er kennt die Geschichten dazu. Man lernt verdammt viel, wenn man mit Quentin Tarantino diese Filme guckt.

          Jugendbild: Daryl Hannah 1984 als Nixe in „Splash”
          Jugendbild: Daryl Hannah 1984 als Nixe in „Splash” : Bild: dpa

          Entschuldigung, aber Quentin Tarantino ist auch schon vierzig. Vielleicht könnte der langsam mal erwachsen werden.

          Wird er aber nicht.

          Ist es nicht ein bißchen kindisch, wenn Leute über vierzig von Kung-Fu und Comics und Popmusik besessen sind?

          Es ist noch viel schlimmer. Er hat auch während der Dreharbeiten nichts als Unsinn im Kopf. Er ärgert mich, er macht bescheuerte Bilder von uns, er bringt den ganzen Set durcheinander. Er ist ein großes Kind. Und das muß er auch sein, weil er sich seinen Enthusiasmus, seine Liebe, seine Offenheit anders gar nicht erhalten könnte. Außerdem: Wer ein Kind ist, kann wenigstens noch wachsen.

          Oder er entscheidet sich mal langsam fürs Erwachsensein.

          Ich glaube, man kann sich nicht dafür oder dagegen entscheiden. Es ist eine Frage des Charakters.

          Sie meinen, Tarantino kann so alt sein, wie er will - er wird für immer das Wunderkind bleiben?

          Er hat erst vier Filme gedreht, vielleicht liegt es daran. Er ist aber die Ausnahme. Er hat die Kontrolle über seine Filme, er kriegt den Final cut. Er kann es sich leisten, gegen alle Regeln einen Actionfilm mit Frauen in den Hauptrollen zu inszenieren. Das ist wirklich eine Seltenheit. Damit kommt eigentlich nur Quentin Tarantino davon.

          Vor ein paar Wochen war in einer konservativen amerikanischen Zeitschrift ein wütendes Pamphlet gegen solche ewigen Jugendlichen zu lesen. Die Baby-Boomer, hieß es da, hätten es verlernt, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Sie seien die Opfer von Jugendwahn und Popkultur.

          Mein Freund ist neulich nach Hause zu einem Klassentreffen gefahren, und er hat dabei eine seltsame Entdeckung gemacht. Manche von den Leuten, mit denen er auf der Schule war, sahen uralt aus, sie waren kaum wiederzuerkennen. Und andere sahen fast so aus wie vor zwanzig Jahren. Der Unterschied war der: Die, die ihren Platz genau kannten, die sich in ihrem Leben fest eingerichtet hatten, die waren unglaublich gealtert. Und die, die noch immer auf der Suche waren, die noch lernten und neugierig waren, das waren die, die sehr jung aussahen. Es waren die, die sich begeistern konnten, die sich wundern konnten und die sich noch fürchten konnten.

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