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Google im Klassenzimmer : Darf ich rein?

  • -Aktualisiert am

Bald auch ein „Google Classroom“? Bild: dpa

Google möchte sich jetzt auch im letzten digital unerschlossenem Raum Eintritt verschaffen. Wie nun auch das Klassenzimmer zur Datengewinnung dient.

          Bin ich drin? fragte - die Älteren werden sich erinnern - Boris Becker als er im Auftrag des damals bedeutenden Konzerns AOL den Deutschen das Internet schmackhaft machen wollte. Heute kommt es einem so vor, als würden sich die Chefs der digitalen Firmen diese Frage stellen: Bin ich denn so wirklich drin im Leben der Konsumenten? Ich bin im Büro, im Auto, in der Werkshalle und beim Einkaufen. Aber was ist beispielsweise mit der Dusche? Und dem Bett? Oder wenn die Leute im Flugzeug sitzen, wie komm ich da rein? Folglich werden die Grenzen porös.

          Digitale Armbandsensoren mit Verbindung zur Datenwolke bieten an, unseren Schlaf zu optimieren. Wenn das nächste iPhone nicht wasserdicht ist, hat Apple gegen die Konkurrenz von Sony und Samsung verloren. Internet im Flugzeug wurde gerade zum Standard. Die digitale Gesellschaft schreitet voran, und wer am fleißigsten die Türen eintritt hat gewonnen. Der Vorreiter und -treter, der in jeder Unmöglichkeit eine Herausforderung sieht und sie binnen Jahresfrist bewältigen möchte, heißt heute Google.

          Internet per Wetterballon in entlegener Natur gibt es schon. Die nächste Kolonialisierung gilt nun dem letzten, digital noch einigermaßen unerschlossenen Kulturraum: Dem Klassenzimmer. Und wie immer kommt der Wunsch, eintreten zu dürfen, als Einladung daher. Man wolle „Lehrern Zeit sparen helfen, die Unterrichtsplanung vereinfachen und die Kommunikation mit Kursteilnehmern erleichtern“. Wer könnte widerstehen: „Unser cleveres Produkt für Ihren cleveren Unterricht“. Es ist wie immer googleeinfach.

          Lehrer können digitale Klassenräume erstellen, ihnen ihre digitalen Schüler zuordnen, digitale Arbeitsblätter austeilen und sie digital kontrollieren. In den Werbevideos sehen die Klassenräume schon wie Google-Büros aus. Tafeln, Tische, Laptops, nirgendwo Papier. Dass es funktioniert bezeugt eine Lehrerin, augenscheinlich weit jenseits des Rentenalters, die sich darüber freut, endlich Zeit für ihre Schüler zu haben. Soweit Googles Botschaft an die Lehrer. Schüler aber müssen wissen: Die Pausenklingel wird euch nicht mehr erlösen. „Google Classroom“ wird euch verfolgen, bis nach Hause, überall hin.

          Eure Lehrer werden wissen, wie lange ihr an euren Aufgaben arbeiten musstet, und dass ihr euch erst nachts um sie gekümmert habt, so dass sie viele Fehler erwarten dürfen. Und sie werden noch viel mehr wissen, und zwar ganz ohne mündliches Abfragen der Hausaufgaben. Die Eltern hingegen werden sich daran erinnern wie es war, als man bloß Kunde einer Firma war - und nicht deren Produkt.

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