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Gedenken zum 700. Todestag : Dantes Gebeine bleiben bei uns

Dantes Göttliche Komödie gilt als das bedeutendste Werk des Dichters. Bild: Getty

Wirkungsstätten im Wettbewerb: Vom 700. Todestag des Nationaldichters wollen nicht nur Florenz und Ravenna profitieren. Aber eine Kleinstadt läuft allen den Rang ab.

          6 Min.

          Gedenkjubiläen bergen die Gefahr, das Schlimmste in der Kultur hervorzubringen: Oberflächlichkeit, Exhibitionismus, schlechte Rhetorik, Machtmissbrauch. Das Risiko erscheint umso größer, wenn zwei Orte um den Rang des bedeutendsten Gedenkorts konkurrieren. In Italien besteht dieser Wettstreit zwischen Florenz und Ravenna.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Dante Alighieri, der Verfasser eines der wichtigsten Werke mittelalterlicher Literatur, dessen 700. Todestag in diesem Jahr begangen wird, wurde 1265 in Florenz geboren, verbrachte dort den Großteil seines Lebens und starb am 14. September 1321 im Exil in Ravenna. In Florenz gibt es das Dante-Museum, die Kirche Santa Margherita de’ Cherci, in der Dante heiratete und erstmals seine angebetete Beatrice erblickt haben soll, außerdem weisen Gedenktafeln darauf hin, dass der Ort, an dem man gerade steht, Erwähnung in der „Göttlichen Komödie“ findet. Anders als Florenz hat Ravenna bisher der Versuchung widerstanden, aus Dante ein Souvenir zu machen. Spaziert man durch die Stadt, begegnet einem sein Konterfei weder ständig am Eingang der Lokale noch auf Nippes in den einschlägigen Läden. Dieses Schicksal kommt nur den byzantinischen Mosaikkunstwerken zu. Auch in Ravenna kann man ein Dante-Museum besuchen. Außerdem gibt es das Dante-Zentrum mit Spezialbibliothek, die von Dante angeblich vielbesuchte Basilika San Francesco, das sogenannte Quadrarco di Braccioforte, wo Dantes Überreste während des Zweiten Weltkriegs versteckt waren, und das kleine, pünktlich zum Gedenkjahr renovierte Mausoleum, wo seine Gebeine heute ruhen. Ginge es nach den Florentinern, deren Vorfahren Dante 1302 verbannten und bald darauf zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilten, lägen sie längst in der Basilika Santa Croce. Florenz erhebt seit Jahrhunderten immer wieder Anspruch auf die sterblichen Überreste. Die Sehnsucht nach dem Dichtergenie ist groß.

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