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Daniel Buren in Paris : Karierter Himmel

  • -Aktualisiert am

Der Künstler und sein Werk: Für die Monumenta 2012 hat Daniel Buren das Pariser Grand Palais mit Farben geschmückt Bild: Monumenta 2012

Paris leuchtet auf: Der französische Künstler Daniel Buren bespielt mit seiner Ausstellung „Monumenta 2012“ das Grand Palais mit einer Installation aus Farbe, Licht und Luft.

          6 Min.

          Ob die Leute in den kommenden Wochen Schlange stehen, um die Monumenta-Schau im Pariser Grand Palais zu sehen, wie im vergangenen Jahr, als der Künstler Anish Kapoor mit einer gigantischen Kugel-Installation innerhalb von nur vierzig Tagen knapp 300 000 Zuschauer gelockt hatte, hängt wohl nicht zuletzt vom Wetter ab. Denn was der diesjährige Teilnehmer, der französische Konzeptkünstler Daniel Buren, 74, im riesigen Kuppelsaal aufgebaut hat, entfaltet nur bei Sonnenschein seine volle Wirkung.

          Das Grand Palais, 1900 für dieselbe Weltausstellung wie der Eiffelturm erbaut, ist eine elegante Glas-Eisen-Konstruktion, über die sich das größte Glasdach Europas wölbt. Der Innenraum ist so groß, dass locker zwei Bahnhöfe darin Platz fänden oder eine Kathedrale einer mittelgroßen Stadt, und wird, außer für Kunst und eine Kunstmesse, auch für Reitveranstaltungen oder etwa die Modenschauen von Chanel genutzt. Im fünften Jahr nun wird es für die Dauer von eineinhalb Monaten von einem Künstler bespielt, der eigens für diesen 13 500 Quadratmeter großen Raum ein Werk schafft. Nach Anselm Kiefer, Richard Serra, Christian Boltanski und Anish Kapoor ist nun Daniel Buren auserwählt, berühmt geworden 1986 mit seinen schwarz-weiß-gestreiften Säulen im Innenhof des Pariser Palais Royal.

          Relativ bodennah

          Ich treffe ihn Anfang der Woche in seinem Büro im Grand Palais, einem winzigen, fensterlosen Raum. Der Schreibtisch ist unter Papieren mit Skizzen begraben, an der Wand lehnt ein Tretroller: Buren, ein weißhaariger Mann, der diese entspannte Lässigkeit ausstrahlt, wie man sie von sehr gut in die Jahre gekommenen französischen Filmstars kennt, hat an diesem Tag sowieso blendende Laune. Am Vorabend wurde der Mann zum neuen Präsidenten des Landes gewählt, in dessen offiziellem Unterstützerkomitee der Künstler war.

          Die Installation, die Buren im Grand Palais geschaffen hat, hat etwas von einem Kindergeburtstag. Über den Köpfen der Besucher, aber relativ bodennah, sind auf einer Höhe von zwei Meter fünfzig kreisförmige farbige Folien aufgespannt, insgesamt 377. Sie sind an Pfosten befestigt, die vertikal schwarz und weiß gestrichen sind, womit sie entfernt an die Streifen erinnern, mit denen Buren bekannt geworden ist. Streifen, sozusagen Burens Markenzeichen, finden sich auch im Eingangsbereich. Ansonsten ist bei diesem Werk jedoch alles rund - wie die Kuppel des Grand Palais, die sich in 45 Meter Höhe befindet und der Buren mit blauen Folien ein vergnügliches Karomuster verliehen hat.

          Ist der Künstler einverstanden mit der Feststellung, dass er eine sehr lebensfrohe Installation geschaffen hat? “Wenn Sie das so empfinden, finde ich das schön“, sagt er. „Aber ich will keinen Effekt vorschreiben, die Wirkung ist alleine Interpretation der Betrachter.“ Wie kam er auf die Idee, den Raum oberhalb der farbigen Kreise einfach frei zu lassen? Eine Idee, die aus mancher Perspektive, etwa aus der Aufsicht, ein wenig banal wirken kann (weshalb wohl es untersagt ist, die Treppen an den Seiten zu erklimmen).

          “Dieser Ort zeigt sehr viel Himmel. Deshalb hatte ich sofort die Idee, mit Licht zu arbeiten. Mit Licht und mit Luft. Ich wollte die Sensation des Volumens an Luft sichtbar, oder sagen wir: erfahrbar machen, das sich in diesem riesigen Raum befindet und das man normalerweise nicht so stark wahrnimmt, da das Gebäude ja selten ganz leer steht. Deshalb wird zwischen 2,50 und 45 Metern Höhe nichts berührt.“

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