https://www.faz.net/-gqz-6ztrh

Daniel Buren in Paris : Karierter Himmel

  • -Aktualisiert am

“Oh nein, überhaupt keine. Ich habe immer versucht, meinen Geschmack auszuschalten, wenn ich Farbe benutze, ich wollte, dass es nie die Wahl des Künstlers ist.“ Ließ er gestreiftes Papier drucken, bestand er darauf, dass man ihm nicht sagte, welche Farbe man mit Weiß paarte. Auch die vier Farben für die Monumenta-Installation waren nicht seine Wahl. „Es waren einfach die einzigen vier Farben, die die Firma herstellte, die wir mit der Produktion beauftragt haben. Hätten sie mehr Farben im Angebot gehabt, hätte ich auch die noch genommen, vier waren das absolute Minimum.“

Nach alphabetischer Reihenfolge

Und da ein Konzeptkünstler Konzepte wohl gerne hat, hat Buren für die Anordnung von Farben eine Regel erfunden, an die er sich immer hält: „Wenn ich mit mehr als zwei Farben arbeite, also keine Streifen mache, ordne ich die Farben in alphabetischer Reihenfolge an und richte mich dabei immer nach der Sprache des Landes, in dem ich gerade bin. Hier zum Beispiel ist die erste Farbe also Bleu, Blau, wegen des Buchstabens B.“ Mit dieser Methode sei er nie Meister des Spiels, habe nie die totale Kontrolle über sein Werk. Er erzählt das so stolz, als habe er damit einen unglaublichen Trick erfunden, wie sich einer ansonsten eventuell drohenden Langeweile ein Schnippchen schlagen lässt.

Dass Burens Streifen immer eine Breite von 8,7 Zentimetern haben, liegt daran, dass dies das Maß war, in dem er sie damals vorgefunden hat. Eines Tages, erzählt er, habe er festgestellt, dass dieses Maß absolut universell sei. „Raten Sie mal - welches Maß ist auf der ganzen Welt gleich?“ Als ich nicht gleich die Antwort weiß, hilft er mir. „Meter oder Zentimeter nicht, es gibt ja in Amerika zum Beispiel ein anderes System. Nein, welche Sache besitzen Milliarden Menschen auf der Welt, und sie ist immer exakt 8,7 Zentimeter breit?“ Er holt sein Portemonnaie hervor, zieht eine Kreditkarte heraus und hält sie mir strahlend entgegen. „Exakt 8,7 Zentimeter! Wie meine Streifen. Verrückt, nicht?“

Für seine Monumenta-Schau hat Buren den Eingang ins Grand Palais verlegt, statt wie sonst an der Längsseite betritt das Publikum die Halle durch den kleineren Nordeingang. Die Begründung: „Eine Kathedrale betritt man schließlich auch nicht gleich im Hauptschiff.“ Und noch eine Neuerung hat er durchgesetzt: Für die Dauer der Ausstellung weht zum ersten Mal eine andere Fahne als die Trikolore auf dem ehrwürdigen Dach des Grand Palais. So wird der Blick des neu gewählten Präsidenten François Hollande vom gegenüberliegenden Élysée-Palast auf eine Buren-Flagge gehen, ein von blau-weißen Streifen umgebener blauer Kreis, die offizielle Erlaubnis wurde eingeholt.

Was erwartet sich Buren von der neuen Regierung für die Situation der Kunst, Künstler in Frankreich? „Keine Ahnung“, sagt er, „man weiß ja noch nicht einmal, wer Kulturminister wird. Aber so stiefmütterlich wie die Kultur in Frankreich seit zehn Jahren behandelt wird, besteht die Hoffnung, dass es nicht schlimmer werden kann, und das ist doch schon mal etwas.“ Wirklich, sehr entspannt, dieser Mann.

Weitere Themen

Die Magie des Lichts

Fotografieausstellung : Die Magie des Lichts

Erhellend: Das Fotografie Forum Frankfurt zeigt unter dem Titel „Ethereal“ Fotokunst aus Norwegen. Die besonderen Lichtverhältnisse sind nicht nur eine Herausforderung, sondern auch Inspiration.

Topmeldungen

Königin Elisabeth II. am Montag im britischen Parlament neben ihrem Sohn, Prinz Charles.

Britisches Unterhaus : Queen’s Speech – und dann?

Die britische Königin hat an diesem Montag mit ihrer Rede das Parlament wiedereröffnet und die Politikvorhaben der Regierung vorgestellt. Im Brexit-Prozess ist das jedoch nur ein Intermezzo.

Die Grünen : Was das Klima kostet

Den Grünen wird immer wieder vorgeworfen, mit ihrem Programm vor allem diejenigen anzusprechen, denen es nichts ausmacht, tiefer in die Tasche zu greifen. Fest steht: In höheren sozialen Schichten sind sie besonders erfolgreich.
Die Gesundheit des Babys ist für Eltern das höchste Gebot – nicht erst ab der Geburt.

Verfrühter Mutterschutz : Kaum schwanger, schon weg

Immer häufiger werden Erzieherinnen und Lehrerinnen lange vor der Geburt des Kindes krankgeschrieben. In vielen Kitas und Grundschulen führt das zu Schwierigkeiten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.